Editorial

Nach und nach werden nun die Modellfabriken und „Testlabs“ der Industrie 4.0 eröffnet. Die sind – erst recht, wenn man die Kosten einmal ausblendet – beeindruckend. Doch mit der Realität in der deutschen Industrie haben sie wenig zu tun. In der heutigen Produktion ist der Shopfloor meist eine Sammlung von Maschinen unterschiedlichster Baujahre und Hersteller. Selbst „digitale“ Maschinen haben eine Softwaresteuerung, die mehrere Jahre alt ist. Und weil kaum ein Unternehmen seinen Maschinenpark auf einmal runderneuern wird, werden die Modellfabriken noch eine ganze Weile genau das sein: Modell, aber nicht gelebte Praxis.

Das muss gar nicht schlimm sein, denn alte Maschinen lassen sich dank unterschiedlichster Retrofitting-Lösungen relativ kostengünstig nachrüsten. Nicht alles ist möglich, doch gerade im Bereich Sensorik eröffnen sich selbst für 50 Jahre alte Maschinen digitale Möglichkeiten der Auswertung. So wird selbst Predictive Maintenance möglich oder eine Optimierung der Produktionsleistung. Das wird für die meisten Industrieunternehmen erst einmal als Innovationsschub reichen. Allerdings umfasst die Nachrüstung noch nicht die Maschinensteuerung selbst. Hier liegt noch viel Arbeit vor den Retrofit-Anbietern, bis Aktoren zuverlässig nachgerüstet werden können.

 

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