Editorial

Dank Künstlicher Intelligenz werden Maschinen immer besser darin, Bilder zu erkennen und zu kategorisieren. Wie würde da wohl das Ergebnis eines Rorschach- Tests ausfallen, wenn eine KI-Anwendung ihn interpretiert? Das nach dem Psychiater Hermann Rorschach benannte diagnostische Verfahren soll Rückschlüsse auf die Psyche eines Menschen zulassen können. KI-Algorithmen haben jedoch kein Bewusstsein, sie kombinieren und lernen aus Datensätzen, mit denen sie gefüttert werden. Und auch die Entwicklung von Affective Computern, also Algorithmen, die menschliche Emotionen lesen (und später auch einmal simulieren) können, dürfte da erst mal nicht weiterhelfen. Dennoch, der KI-Markt entwickelt sich rasant. Vielleicht erkennt eine KI wie Amazons Alexa schon bald auch die beiden Tiere und den Tierschädel im Rorschach-Test auf dem Titelbild – oder doch nur einen menschlichen Beckenknochen. Unbestritten ist: Das Thema brennt. Nicht nur medizinische Moonshots rücken in greifbare Nähe, auch die Industrie verspricht sich vielfach konkreten Nutzen. Toshiba und Siemens experimentieren mit den ersten Anwendungen für die Fertigung (ab Seite 6). Dabei ist KI für viele Unternehmen nutzbar – „Deep Learning as a Service“- Modellen sei Dank (ab Seite 10). Die Visionäre großer Tech- Konzerne sind jedoch längst einen Schritt weiter. Sie erforschen mögliche Schnittstellen zum menschlichen Gehirn, um es mit einem Computer zu verbinden. „Koevolution“ nennen es die einen – also voneinander lernen und gemeinsam wachsen –, das Ende der Menschheit die anderen.

 

Eva Roßner
Verantwortliche Redakteurin