Automatisierung

Studie: Automationstechnologien nicht in allen Bereichen gleich weit fortgeschritten
Robotic Process Automation kommt vor allem in der Finanzabteilung zum Einsatz, Cognitive Automation in der Logistik und dem Kundenservice. Die neuen Technologien sind jedoch noch unterschiedlich weit verbreitet.
TEXT: Matthias Schmidt-Stein

Robotic Process Automation (RPA) ist in deutschen Unternehmen längst kein Fremdwort mehr. Fast drei Viertel der in einer Studie der Managementberatung Horváth & Partners befragten Unternehmen haben sich bereits damit befasst. Damit ist die Technologie, bei der strukturierte Daten mit verhältnismäßig geringer Komplexität – zum Beispiel aus dem ERP-System – automatisiert verarbeitet werden, die am weitesten verbreitete Robotertechnologie im deutschsprachigen Wirtschaftsraum. Komplexe künstliche Intelligenzen wie Cognitive Automation, also die automatisierte Strukturierung und Verarbeitung einiger weniger unstrukturierter Daten, wie zum Beispiel Dokumente und Briefe, Digitale Assistenten und Autonome Agenten werden hingegen deutlich seltener eingesetzt. Autonome Agenten sind bislang nicht einmal in einem von zehn Unternehmen ein Thema.

Alle vier untersuchten Robotertechnologien haben dabei ihren spezifischen Einsatzzweck und damit auch Einsatzort im Unternehmen. Mehr als drei Viertel der Befragten sagen, dass RPA im Accounting und Finanzreporting eine besondere Bedeutung hat, zwei Drittel geben dies für die Bereiche Logistik und IT/Technologie an. Cognitive Automation ist vor allem für die Logistik- sowie den Kundenservice  und in der IT attraktiv. Digitale Assistenten dürften insbesondere im Kundenservice sowie in Sales- und Marketingabteilungen für Veränderungen sorgen. Autonome Agenten , die  großer Informationsmengen über Produkte, Preise, Wettbewerber und Konsumenten erfassen und zu analysieren können, dürften auf absehbare Zeit im IT-Bereich zum Einsatz kommen.

Freund statt Feind

Als größte Herausforderung für den Einsatz sehen die befragten Manager möglichen Widerstand in der Belegschaft. Schließlich könnte ihrer Einschätzung nach in den kommenden Jahren jede neunte und in den kommenden 20 Jahren sogar jede sechste Stelle in den Unternehmen überflüssig werden. Horváth-Automationsexperte und Studienautor Sebastian Ostrowicz gibt zumindest vorerst noch Entwarnung: „In den nächsten Jahren werden die Unternehmen Prozessautomation hauptsächlich dazu nutzen, Personallücken zu füllen, die durch den Fachkräftemangel und den demographischen Wandel entstehen.“ Erst danach werde es spannend, in welchem Ausmaß die Digitalisierung neue Jobs schafft und ob diese dann auch durch Mitarbeiter ohne Studium oder IT-Kenntnisse übernommen werden können. 

Ostrowicz erwartet, dass in wenigen Jahren jedem Büroangestellten ein digitaler Assistent zur Seite steht, der ihm die 80 Prozent Fleißarbeiten wie Datenübertragung, Dokumentation oder Standardkommunikation abnimmt. Die gewonnene Zeit lasse sich dann für wirklich wertschöpfende Tätigkeiten nutzen, bei denen Know-how und Erfahrung des Angestellten gefragt sind. In diesem Fall könnte der Mitarbeiter den Roboter dann als Freund anstatt als Feind wahrnehmen.

Für die Studie „Next Generation Process Automation“ wurden von Februar bis April 2018 insgesamt 180 Entscheidungsträger aus zwölf Branchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.