Flexibel Wachsen

Die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens allein reicht nicht aus
Der rapide Wandel von Technologien und Märkten fordert neue Strategien. Damit Unternehmen wachsen können, müssen sie frühzeitig Wettbewerbsvorteile erkennen und schnell auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren.
TEXT: Jacqueline Preußer und Georg Poltorak

Wachstum ist ein grundlegendes Leitmotiv für die Unternehmensentwicklung. Es ist weder das Ergebnis des Zufalls noch eine Selbstverständlichkeit. Im Wachstum drückt sich die Leistungssteigerung einer Organisation aus, die erst durch gezielte Planung und erfolgreiches strategisches Handeln möglich wird. Gerade in Zeiten des stetigen Wandels von Märkten und Wettbewerbsbedingungen müssen Entscheider bevorstehende Herausforderungen rechtzeitig antizipieren und flexibel darauf reagieren, indem sie ihre Unternehmensstrategie adäquat anpassen — kurz, proaktiv handeln.

Wachstumsmotor Digitalisierung

Trends wie der demographische Wandel, Globalisierung, Konnektivität, Mobilität und Urbanisierung haben weitreichende Auswirkungen auf alle gesellschaftlichen Bereiche. Daraus entwickeln sich aktuell neue Wachstumsfelder. Am bedeutendsten ist dabei der allgegenwärtige Einfluss der Digitalisierung. Um die Zukunft ihres Unternehmens gestalten und sichern zu können, müssen Entscheider deshalb den digitalen Wandel in ihrer Organisation vorantreiben.

Um die Zukunft ihres Unternehmens gestalten und sichern zu können, müssen Entscheider deshalb den digitalen Wandel in ihrer Organisation vorantreiben.

Die Digitalisierung schafft eine erhöhte Flexibilität in puncto Arbeit und sorgt für mehr Chancen durch die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Zu diesem Ergebnis kommt das IHK-Unternehmensbarometer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages e. V. (DIHK). 44 Prozent der in dieser Studie befragten Unternehmen profitieren darüber hinaus von einem höheren Umsatz. Offensichtlich ist die Digitalisierung ein maßgeblicher Wachstumstreiber. 

Im Wachstum drückt sich die Leistungssteigerung einer Organisation aus.

Sie fordert aber auch einen gezielten unternehmerischen Einsatz: Ein beträchtlicher Anteil von jeweils 87 Prozent der Befragten sieht einen auf Digitalisierungsprozesse zurückgehenden erhöhten Investitionsbedarf und die Notwendigkeit vermehrter Weiterbildungsmaßnahmen. Daneben haben neue Geschäftsmodelle nicht nur einen positiven Einfluss auf die Unternehmensentwicklung: Für 54 Prozent der Befragten führen diese auch zu zunehmendem Konkurrenzdruck.

Innovationsfähigkeit als Unternehmensmerkmal

Doch was macht wachsende Unternehmen aus? Vor allem drei messbare Unternehmensmerkmale lassen sich in diesem Kontext identifizieren: die Beschäftigung von Hochschulabsolventen, eine frühzeitige internationale Unternehmensausrichtung sowie eine auf Forschung und Entwicklung basierende Innovationsstrategie. Hierfür hat KfW Research die Erfolgsfaktoren von 7.300 Unternehmen analysiert. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen, dass vor allem Innovationen eine entscheidende Rolle bei der Wachstumsförderung und Unternehmensentwicklung spielen: Unternehmen, die aktiv forschen und somit ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit ausbauen, lassen sich demnach mit einer um 45 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit zu schnell wachsenden Unternehmen zählen. Die Studie zeigt auch, dass schnell wachsende Unternehmen mehr als doppelt so viele Innovationen im Hinblick auf Produkte und Dienstleistungen hervorbringen als „schrumpfende“ Unternehmen.

Die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens allein reicht aber nicht aus. Wachstum ist ebenfalls von innerbetrieblichen und externen Rahmenbedingungen abgängig: Damit Wachstum stattfinden kann, müssen nicht selten Organisationsstrukturen verändert und eine neue Unternehmenskultur geschaffen werden, die beispielsweise Agilität und neue Formen der Zusammenarbeit begünstigen. Das Humankapital ist ein weiterer zentraler Einflussfaktor. Fortbildungsangebote unterstützen die Belegschaft darin, mit der Digitalisierung Schritt zu halten. Als externe Einflussfaktoren haben vor allem offene Märkte, der Abbau von Innovationshemmnissen durch gesetzliche Regularien sowie adäquate Finanzierungsmöglichkeiten einen erheblichen Einfluss auf den Erfolg von Unternehmen.

Wieso Organisationsstrukturen angepasst, die Unternehmenskultur neu gedacht und innerbetriebliche Prozesse optimiert werden müüssen, um eine erfolgreiche Leistungssteigerung zu ermöglichen, zeigt der „Managementkompass flexibel Wachsen“, den das F.A.Z.-Institut gemeinsam mit Sopra Steria Consulting veröffentlicht hat. Er ist über den Webshop des F.A.Z.-Instituts erhältlich.

Jacqueline Preußer ist verantwortliche Redakteurin bei FRANKFURT BUSINESS MEDIA. Georg Poltorak ist Redakteur bei FRANKFURT BUSINESS MEDIA.