Internet der Dinge

„Eine lange Lebensdauer der Maschinen ist kein Hindernis“
Alte Maschinen können mittels Retrofitting auch nachträglich IoT-fit gemacht werden. Wie weit die deutsche Wirtschaft beim Thema Internet der Dinge schon ist und wo es Nachholbedarf gibt, erklärt Dorian Gast von Dell EMC im Interview.
TEXT: Matthias Schmidt-Stein

Herr Gast, wie weit ist die deutsche Wirtschaft beim industriellen Internet der Dinge (Industrial) IoT?

Viele IoT-Projekte befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium: Unternehmen haben die jeweiligen „Proof of Concepts“ abgeschlossen, die Anbieter verglichen und treffen derzeit Entscheidungen bezüglich der für sie besten Infrastruktur, Plattformen und Konnektivität. Dabei stehen bei der Wahl der Lösungen vor allem Nachhaltigkeit und Verfügbarkeit im Vordergrund.

Gibt es Branchen oder Bereiche, die hier Vorreiter sind?

Der technologische Fortschritt zeigt sich bislang besonders in den Bereichen industrielle Produktion sowie Transport und Logistik. Beispielsweise können Flughäfen durch den Einsatz von IoT-Lösungen Prozesse optimieren und transparenter gestalten. Dadurch lassen sich unter anderem Energie und Kosten sparen oder sogar ganze Bereiche automatisieren. Auch im Umfeld der Produktion zeigen sich die Vorteile der Technologie unter anderem in einer höheren Gesamtanlageneffektivität.

Produktionsmaschinen haben häufig eine relativ lange Lebensdauer. Hemmt das die Entwicklung oder lassen sich die Maschinen nachrüsten?

Eine lange Lebensdauer der Maschinen in der Produktion ist kein Hindernis, da die Hardware auch nachträglich mittels Retrofitting für IoT-Projekte nachgerüstet werden kann. Diese digitalisierten Maschinen können dann mit ins Monitoring aufgenommen werden. Rückschlüsse über die tatsächliche Effektivität einer Produktionsstätte oder eines Maschinenparks können jedoch nur gezogen werden, wenn der Betrieb vollständig digitalisiert wurde. Noch nicht digitalisierte Maschinen innerhalb einer Fabrik erzeugen Lücken in der Datenanalyse und können Ergebnisse verfälschen oder unvollständige Schlüsse liefern.

Haben wir in Deutschland überhaupt die nötige Infrastruktur für flächendeckende IoT-Lösungen?

Die Infrastruktur in Deutschland ist im Aufbau begriffen – siehe Stichwort 5G. In Zukunft wird in Ballungsräumen sicherlich ein sehr leistungsstarkes Netz zur Verfügung stehen, aber das braucht noch etwas Zeit. In der Zwischenzeit können Unternehmen hinterfragen, ob 5G für ihre Abläufe tatsächlich notwendig und die Kosten gerechtfertigt sind. Denn es gibt auch andere interessante Alternativen wie LoRaWAN oder BLE, die etwa auf großen Firmengeländen oder Flughäfen betrieben werden können.

Experten warnen immer wieder vor Cyberrisiken im IoT. Wie gefährlich ist die Situation Ihrer Meinung nach? Was lässt sich gegen Hacker-Angriffe unternehmen?

Cyber-Security ist ein essentieller Aspekt bei der Konzeption von IoT-Projekten. In einer typischen Anwendung werden Daten vom Sensor über mehrere Hardware-Schichten und Protokolle zu einer Anwendung gesendet, die diese analysiert. Im Anschluss daran werden die Daten in einem nachgelagerten System verarbeitet. Dieser Weg bietet diverse Angriffspunkte. Deswegen müssen alle potentiellen Einfallstore vollständig abgesichert werden, um leistungsstarke und sichere Lösungen anbieten zu können. Daneben ist es wichtig, die Systeme in regelmäßigen Abständen zu aktualisieren, damit über die Updates alte Lücken geschlossen werden.

Dorian Gast

Dell EMC

Dorian Gast ist Head of Business Development IoT Germany, Israel und UAE bei Dell EMC.