Konzerne als Vorreiter

Unternehmen suchen immer mehr Digitalisierungsfachkräfte
Wer sucht im Arbeitsmarkt verstärkt digitale Fachkräfte? Und welche Jobprofile sind am begehrtesten? Eine Analyse von mehreren Tausend entsprechenden Stellengesuchen liefert Antworten.
TEXT: Johannes Sill

Großkonzerne suchen im Vergleich zu anderen Unternehmen mehr Digitalisierungsfachkräfte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Jobplattform Joblift, für die insgesamt 15 Millionen Stellenanzeigen in den vergangenen beiden Jahren ausgewertet wurden. Mit 12.300 Stellen war knapp jede Tausendste im Bereich Digitale Transformation angesiedelt. Davon wiederum wurde mehr als die Hälfte der Stellen (58 Prozent) von einem Arbeitgeber mit über 1.000 Mitarbeitern ausgeschrieben. Zum Vergleich: Von allen Gesuchen auf dem Portal kam in den vergangenen zwei Jahren nur jedes Fünfte von einem großen Unternehmen – ein Anzeichen dafür, dass KMUs bei der digitalen Transformation hinterherhinken. Nur jede sechste ausgeschriebene Stelle war in Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten angesiedelt.

Zwar wurden in der Analyse auch am Ende des Untersuchungszeitraums nur relativ wenig Stellen ausgemacht, die in den Bereich Digitalisierung fielen, ihre Anzahl hatte sich allerdings innerhalb der 24 Monate fast verdoppelt. So waren in den zweiten zwölf Monaten 87 Prozent mehr solcher Stellen ausgeschrieben als im Jahrdavor. Die größte Nachfrage nach Digitalisierungs-Fachkräften herrschte dabei in der Fertigungsindustrie, auf die knapp jedes vierte Gesuch (24 Prozent) fiel. Platz zwei und drei belegen die IT-Brache mit 19 Prozent und der Dienstleistungssektor mit 15 Prozent. 

Aufgeteilt nach Tätigkeitsprofilen wurden am häufigsten Berater mit Schwerpunkt Digitalisierung gesucht, immer häufiger waren aber auch IT-Stellen ausgeschrieben. Entsprechende Fachkräfte wurden mehr als zweieinhalb mal so oft nachgefragt wie in vorangegangenen Untersuchungen. Auch die Zahl der ausgeschriebenen CDO-Stellen stieg in den vergangenen zwei Jahren massiv an – wobei davon ausgegangen werden darf, dass diese eher selten über Jobplattformen gesucht werden. Dennoch werfen die Ergebnisse Zweifel an der These auf, dass der „CDO-Boom“ vorbei ist.

Die Analyse lässt offen, wie viele der ausgeschriebenen Stellen am Ende tatsächlich besetzt wurden. Als Beleg für den Fachkräftemangel ist sie daher nur bedingt geeignet. Aufgrund anderer Studien und Erfahrungsberichten aus der Wirtschaft kann man aber davon ausgehen, dass ein Teil der Gesuche auch im kommenden Jahr noch nicht von Erfolg gekrönt sein wird.