Technik ist nicht alles

Studie zum Arbeitsplatz der Zukunft
Die Digitalisierung des Arbeitsplatzes rückt in den Fokus von Unternehmen. Doch mit neuer technischer Ausstattung ist es nicht getan. Auch die Unternehmenskultur muss sich ändern.
TEXT: Martin Pirkl

Nur wer in der Lage ist, in der Zukunft schnell auf Veränderungen in der Arbeitswelt zu reagieren, wird auch Erfolg haben. Durch den immer schnelleren technologischen Fortschritt wird diese Eigenschaft noch wichtiger. Das haben deutsche Unternehmen erkannt und reagieren entsprechend – zumindest laut einer aktuellen Studie von Crisp Research.

Das IT-Research- und Beratungsunternehmen hatte dafür in Kooperation mit Samsung 309 IT- und Business-Entscheider in deutschen Unternehmen befragt. Davon wollen zwei Drittel von ihnen ihre Organisationskultur umstellen oder haben dies bereits getan. 

Ein wichtiger Punkt ist hierbei die technische Ausrüstung. Ohne leistungsstarke mobile Endgeräte und ein funktionierendes Cloud-System kann ein digitaler Arbeitsplatz nicht funktionieren. Smartphone, Laptop und Cloud-Dateien ermöglichen es den Arbeitnehmern, auch außerhalb ihres Büros effektiv zu arbeiten. Jedes zweite befragte Unternehmen möchte daher sein Budget in diesem Bereich erhöhen.

Neue Gerätetypen kommen noch selten vor

Neue Gerätetypen wie Mixed-Reality-Brillen kommen in deutschen Unternehmen zwar noch selten vor, das dürfte sich in naher Zukunft aber ändern. „Die Lufthansa beispielsweise setzt schon heute VR-Brillen für das Training junger Piloten ein“, sagt Sascha Lekic, Direktor IM B2B bei Samsung Electronics. Die Auszubildenden könnten sich mit der neuen Technik realitätsnah auf ihren ersten Überlandflug vorbereiten. An weiteren Einsatzmöglichkeiten werde gearbeitet. Sobald diese entwickelt sind, und auch die Preise für die Endgeräte sinken, dürfte sich die Bedeutung dieser Geräte für Unternehmen erhöhen.

Klassische Technologien wie Telefon und stationärer Computer dürften auf der anderen Seite an Bedeutung verlieren – auch wenn die Mehrheit der befragten Entscheider glaubt, dass sie auch in Zukunft noch eine Rolle spielen werden.

Mit Technik alleine ist es ohnehin nicht getan. „Nur intelligent vernetzt und richtig angewendet, bietet die Technologie letztendlich einen Mehrwert“, sagt Studienleiter Maximilian Hille, Senior Analyst bei Crisp Research. Daher muss sich auch die Arbeitsweise in den Unternehmen ändern. Ein Beispiel hierfür sind die Arbeitszeiten. Der klassische 9-to-5 Arbeitstag hat zunehmend ausgedient. Nicht mal jedes zweite Unternehmen setzt auch in der Zukunft auf dieses Modell. Stattdessen liegt die Vertrauensarbeitszeit im Trend. Der Arbeitnehmer kann also künftig häufiger darüber bestimmen, wann und wo er die Arbeit aufnimmt. Diese Freiheit verbessert das Arbeitsumfeld und die Kreativität der Mitarbeiter. Innovationen und mehr Leistungsbereitschaft sind die positiven Folgen.

„Nur intelligent vernetzt und richtig angewendet, bietet die Technologie letztendlich einen Mehrwert.“

Maximilian Hille, Studienleiter und Senior Analyst bei Crisp Research

Gravierende Auswirkungen auf die Unternehmenskultur

Diese Freiheiten haben auch gravierende Auswirkungen auf die Unternehmenskultur. Eigenverantwortung und das Vertrauen der Chefs in ihre Mitarbeiter sind gefragt. Nur mit genauen Vorgaben und einer flachen Hierarchie kann diese Art der Arbeit funktionieren. „Entscheidungsträger haben in restrukturierten Organisationen viel mehr die Rolle eines Antreibers und Visionärs, der seine Mitarbeiter zur Mitgestaltung der neuen Kultur motiviert“, sagt Hille. Stolze 75 Prozent der befragten Unternehmen möchten Hierarchien in ihren Unternehmen abbauen. Zu dieser neuen Arbeitsorganisation gehört es auch, dass Führungskräfte ihre Ideen und Projekte intern offen und transparent kommunizieren.

Das Thema „Digitale Führung“ war Titelthema der Ausgabe 2/2018, die Sie hier in unserem Archiv finden. Um die Themen der Studie geht es auch in unserer Ausgabe 4/2018, die Mitte Mai erscheint. Hier können Sie sich anmelden und CEDO kostenlos als E-Paper abonnieren.

Nicht nur für die Chefs ist das eine Herausforderung. Auch die Angestellten müssen lernen, mit dieser Eigenverantwortung umzugehen. Dabei sollen Schulungen helfen. Die Unternehmensentscheider sehen vor allem bei IT-Kenntnissen und dem Thema Datenschutz Nachholbedarf.