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Digitale Geschäftsmodelle, Fintech-Standorte, IoT und IBM, Tesla, Deutsche Bahn und Venture Capital

DIGITALE GESCHÄFTSMODELLE

DEUTSCHE ENTSCHEIDER FÜHLEN SICH ZU SICHER

Effizienter wollen sie sein, das eigene Geschäftsmodell soll dabei aber unberührt bleiben: So gehen deutsche Entscheider die Digitale Transformation an, wie die Ergebnisse der aktuellen Studie „Digitalisierung – Der Realitäts-Check“ zeigen, die Anfang November von der Managementberatung Horváth & Partners veröffentlicht wurde. Gemeinsam mit dem Dienstleister Forsa befragten die Berater 200 Unternehmensentscheider. In vier von fünf deutschen Unternehmen hat die Digitalisierung zwar starken Einzug gehalten. Der Großteil der Entscheider möchte das eigene Geschäftsmodell jedoch nicht antasten. In neun von zehn Unternehmen bleiben die Erlösmodelle dieselben wie bislang. „Entscheider hierzulande denken immer noch, es reicht, die bisherigen Leistungen zu digitalisieren“, sagt Michael Kieninger, Sprecher des Vorstands von Horváth & Partners. Sie würden sich dadurch jedoch zu sehr in Sicherheit wiegen und seien nicht immer auf Angriffe von radikalen, disruptiven Wettbewerbern eingerichtet, warnt Kieninger.


FINTECH-STANDORTE

BERLIN TOPPT LONDON

Deutschland hat Großbritannien bei Fintech- Investitionen den Rang abgelaufen. Zum zweiten Mal in Folge floss im dritten Quartal mehr Kapital nach Berlin, Frankfurt am Main und München (105 Millionen US-Dollar) als nach Großbritannien (78 Millionen), wie die Wirtschaftsprüfer von KPMG in ihrer vierteljährlichen Studie „Pulse of Fintech“ mitteilten. Was die Zahlen jedoch ebenfalls zeigen: Fintechs sammeln immer weniger Geld ein. Im dritten Quartal flossen den jungen Technologieunternehmen aus der Finanzbranche nur noch 2,9 Milliarden US-Dollar zu. In den drei Monaten zuvor waren es noch 9,4 Milliarden US-Dollar. Das Ende des Fintech- Booms sei jedoch nicht abzusehen, wie KPMG-Partner Sven Korschinowski erklärte. Insgesamt dürfte über das gesamte Jahr mehr Geld in Fintechs fließen als im vergangenen Jahr, schätzt KPMG. Bis Jahresende 2015 erhielten die aufstrebenden Finanzfirmen 14,5 Milliarden US-Dollar, in diesem Jahr waren es bis Ende September bereits 10,3 Milliarden.


INTERNET OF THINGS

Schaeffler kooperiert mit IBM

DER INDUSTRIEZULIEFERER SCHAEFFLER ARBEITET KÜNFTIG ENG MIT DEM DEUTSCHEN IT-KONZERN IBM ZUSAMMEN. Seit Oktober laufen in einem ersten Schritt alle datenbasierten Services von Schaeffler über eine digitale Plattform, die Schaeffler und IBM gemeinsam aufgebaut haben. „Wir konzentrieren uns insbesondere auf die sensorische Erweiterung bestehender sowie die Entwicklung neuer Produkte mit integrierter Software“, sagte Gerhard Baum, Digital-Chef der Schaeffler-Gruppe. Dabei sollen Maschinen und Transportmittel, aber auch die einzelnen Werke untereinander sowie die gesamte Lieferkette vernetzt werden. Schaeffler ist kein Sonderfall, derzeit entscheiden sich immer mehr Industriegrößen für die Liaison mit einem IT-Giganten, um Industrie 4.0 voranzutreiben. So arbeitet der Elektrokonzern ABB bei der Entwicklung neuer digitaler Lösungen für Industriekunden künftig mit dem US-Softwarekonzern Microsoft zusammen. Die strategische Partnerschaft gaben ABB und Schaeffler am gleichen Tag bekannt (mehr zu Industrie-4.0-Strategien auf Seite 18).


CORPORATE VENTURE

1 MILLIARDE EURO INVESTIERT DIE DEUTSCHE BAHN IN DIGITALE PROJEKTE

Die Bahn werde in den kommenden beiden Jahren mehr als eine Milliarde Euro in Digitalisierungsprojekte investieren, wie Bahnchef Rüdiger Grube Mitte November sagte. Grube gab in diesem Zusammenhang auch bekannt, dass die Deutsche Bahn ihre digitalen Projekte nun in einer Tochtergesellschaft bündelt, die offiziell am 15. November an den Start ging. Künftig soll die Deutsche Bahn Digital Ventures GmbH die Start-ups der Bahn führen und weiterentwickeln, wie Grube der Deutschen Presse-Agentur in Berlin mitteilte. Mit der neuen Tochter stünden zusätzlich noch mal 50 Millionen Euro an Wagniskapital für neue digitale Geschäftsmodelle zur Verfügung (mehr dazu in dieser Ausgabe ab Seite 12).

 

 


ELEKTROMOBILITÄT

TESLA KAUFT DEUTSCHEN MASCHINENBAUER

Der Elektroauto-Hersteller Tesla kauft den deutschen Maschinenbauer Grohmann Engineering. Das Unternehmen aus Prüm in Rheinland-Pfalz hat sich auf Anlagen für die automatisierte Produktion spezialisiert. Die daraus entstehende Tochtergesellschaft fungiert unter dem Namen Tesla Grohmann Automation, der Zukauf muss noch von den Regulierungsbehörden freigegeben werden und soll Anfang des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Der deutsche Unternehmensgründer und CEO Klaus Grohmann wechselt unter das Dach von Tesla. Unter seiner Führung sollen in Prüm „mehrere entscheidende Elemente“ für die automatisierten Produktionssysteme von Tesla entwickelt werden, hieß es nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Tesla-Chef Elon Musk kündigte an, dass im kommenden Jahr ein Standort für die erste Tesla- Fabrik in Europa ausgesucht werden soll, um dort Batterien und fertige Autos herzustellen.