Big Data Extern

Im „Steering Lab” die Möglichkeiten von Big Data testen
Für die Analyse großer Datenmengen gibt es auch externe Lösungen.
TEXT: Boris Karkowski

Wer sich von der Analyse großer Datenmengen wertvolle Erkenntnisse für sein Unternehmen verspricht, aber die Komplexität und den Aufwand eines eigenen Data-Science-Labors scheut, oder auch erst die Möglichkeiten von Big Data zur Unternehmenssteuerung und Optimierung ausloten will, kann solche Aufgaben nun an das Steering Lab von Horváth & Partners* auslagern. Der Mastermind hinter dem Steering Lab ist Alexander Vocelka. Der Horváth-Partner lebt das Projekt und kann sich für technische Innovationen ebenso begeistern wie für betriebswirtschaftliche. „Mit dem Steering Lab unterstützen wir die Steuerung eines Unternehmens mit den Mitteln der Digitalisierung“, erklärt Vocelka. Daten fielen in jedem Unternehmen an, würden aber bislang nur sehr ungenügend genutzt. Vor allem bei der Integration unterschiedlicher Datenbereiche und -ebenen gäbe es ungeahnte Potentiale für neue Erkenntnisse und unternehmerische Vorteile/Wettbewerbsvorteile. Dafür müssten aber nicht nur Organisations-, Portfolio- und Marktdaten zusammenkommen, sondern auch der Regelkreis von der Überwachung über die Simulation und die Planung bis zur Ausführung im ganzen Unternehmen geschlossen werden.

Doch obwohl Big Data in vieler Munde ist, gibt es bislang wenige Unternehmen, die daraus echten Mehrwert schöpfen konnten. Erst etwa ein Drittel der produzierenden Unternehmen hat laut einer Studie von BARC (2015) Big-Data-Initiativen gestartet oder Pilotprojekte realisiert. Der weitaus größere Teil muss diesen ersten Schritt noch gehen. Dabei ist die richtige Definition der Anwendungsfälle, der sogenannten Use-Cases, ebenso knifflig wie die Integration der neuen Instrumente in die bestehenden Steuerungsprozesse und Systeme. Alle sind sich aber einig: Wer die Digitalisierung verpasst, der verpasst die Zukunft.


Das Steering Lab soll den Einstieg verkürzen und auch im Umgang mit Big Data schulen: Der Kunde übergibt seine Rohdaten an die Berater, deren Hochleistungsrechner in München in einem speziell gesicherten Bereich stehen. „So ist gesichert, dass die sensiblen Daten nach deutschen Gesetzen und Standards geschützt sind und nicht in einer möglicherweise angreifbaren Cloudlösung oder einer anderen Jurisdiktion hängen“, betont Vocelka. Mit dem Kunden werde gemeinsam besprochen, welche Aussagen aus der Datenmenge destilliert werden könnten. Die Möglichkeiten reichten von der Innovations- und Risikoanalyse bis zur Prozessoptimierung und der komplexen quantitativen Demand-Management-Analyse. Vorhersagen ließen sich ebenso modellieren wie Entscheidungen simulieren. Der erste Schritt sei dabei immer ein konkreter Anwendungsfall, ein praxisnahes Erkenntnisinteresse. Falls notwendig, würden die mitgebrachten Daten durch weitere, externe Daten ergänzt und zu diesen in Beziehung gesetzt. Schon innerhalb weniger Wochen seien erste aussagekräftige Ergebnisse möglich.

Der Mehrwert des Steering Lab ergibt sich aber nicht aus der Rechnerleistung, sondern aus der mathematischen Modellierung und den intelligenten Algorithmen, dem sogenannten Maschinenlernen. „Wir gehen weit über die klassische Analyse hinaus und entwickeln und nutzen die neuesten Methoden zur Mustererkennung und zur Strukturanalyse“, erläutert Vocelka. „Dadurch revolutionieren wir das berühmte Pareto-Prinzip von 80:20 auf 95:5.


Bemerkenswert ist die „Business Radar Suite“, die schon frühzeitig auf kommende Trends innerhalb eines Themenspektrums aufmerksam macht – und zwar weit über vorab definierte Begriffe hinaus. Ebenso interessant ist ein Modell zur Entwicklung einer sicheren Verkehrsplanung. Basierend auf Unfallstatistiken der letzten 40 Jahre, ermöglicht das Modell die genaue Analyse von Unfallursachen unter Berücksichtigung von über 60 Variablen. Das Modell erlaubt es zudem, Szenarien für eine sicherere Verkehrssteuerung zu entwickeln und Änderungen bei der Verkehrsgesetzgebung und Regulierung zu simulieren. „Solche Erkenntnisse sind nicht nur für Verkehrspolitiker, sondern auch für die Versicherungsindustrie hochrelevant. Und sie könnten zu einer Verringerung von Verkehrsunfällen insgesamt und Personenschäden im Speziellen führen.“ Auch die Auswertung, was den Erfolg eines Verkäufers ausmacht, kann mit Big Data erfolgen: Welche Form der Kundenansprache und -interaktion führt bei welchem Produkt zum Erfolg? Welches ist die richtige langfristige Kundenentwicklungsstrategie?

Ein weiteres Feld, in dem das Steering Lab Lösungen entwickelt hat, umfasst die Verhaltensanalyse von Kunden und die Portfolioentwicklung.

Am Ende der Analysen steht die Vision eines perfektionierten Unternehmens. Unsicherheiten werden geringer, Entscheidungen damit besser. Die Systeme warnen rechtzeitig vor Risiken und geben Hinweise, welche Handlung nun angebracht wäre. „Auch wenn Piloten moderner Passagierflugzeuge heute auf Flügen teilweise nur noch während drei Minuten aktiv selbst fliegen, müssen sie doch die wichtigsten Entscheidungen noch selbst treffen und verantworten“, sagt Vocelka.

*Horváth & Partners ist Strategischer Partner von CEDO. Strategische Partner nehmen aber keinerlei Einfluss auf die redaktionelle Unabhängigkeit von CEDO.