Innovationslabor

Über Innovation Labs, FabLabs und Coworking Labs
Ein kurzer Überblick über Innovation Labs, FabLabs und Coworking Labs
TEXT: Boris Karkowski

COWORKING LABS

Bürogemeinschaften sind fast so alt wie Büros – und nicht alles, was sich modern als Coworking Lab oder Coworking Space bezeichnet, wird dem Begriff wirklich gerecht. Denn anders als einfache Bürogemeinschaften aus unterschiedlichen Selbständigen sollen Coworking Labs die Kollaboration unterschiedlichster Beteiligter bewusst herbeiführen und stärken. Etwa 11.000 Coworker soll es in Deutschland geben. Während einige Angebote nur eine typische Office-Infrastruktur bereitstellen, fördern andere durch Workshops und weitere Veranstaltungen die interdisziplinäre Zusammenarbeit. In einigen Coworking Labs haben sich auch etablierte Firmen und Start-ups eingemietet, die den Austausch mit unabhängigen Kreativen suchen. Die Arbeit in den Coworking Labs zeichnet sich aber auch dadurch aus, dass die Teamzusammensetzung wechseln kann. Denn ein Arbeitsplatz kann sogar tageweise angemietet werden. Das bekannteste Coworking-Angebot ist das Betahouse in Berlin-Kreuzberg. Aber auch abseits von Metropolen finden sich inzwischen Coworking Labs.

+ LEBENDIGE START-UP-KULTUR; INTENSIVER AUSTAUSCH

- UNVERBINDLICHKEIT; VOR ALLEM FREIBERUFLER AUS DER KREATIVBRANCHE WIE GRAFIKER, DESIGNER, JOURNALISTEN

-> Zentrale Anlaufstelle, um Kreativtalente projektweise an das Unternehmen zu binden. Für eine systematische Entwicklung von Digitalisierungsideen eines etablierten Unternehmens eher weniger geeignet.


FABLABS

Keine Stadt, die etwas auf sich hält, kommt ohne ein FabLab aus. FabLab ist die Abkürzung von Fabrication Lab (andere Begriffe sind Makerspace oder OpenLab). Sie bieten vor allem Tüftlern („MakerBewegung) den Zugang zu teuren Geräten wie 3-D-Druckern, CNCMaschinen oder Laserschneidegeräten. So können auch kleine Teams oder Einzelpersonen sehr günstig Prototypen entwickeln und herstellen. FabLabs sind in der Regel einer Charta verpflichtet, die beispielsweise offenen Zugang garantiert. In Deutschland gibt es mehr als 50 FabLabs. Eine Liste weltweiter FabLabs gibt es hier: www.fablabs.io/map.

+ KANN QUELLE NEUER, INDUSTRIERELEVANTER INNOVATIONEN SEIN

- EINGESCHRÄNKTE AUSWAHL UND ZUGANGSZEITEN BZW. NUTZUNGSMÖGLICHKEITEN; TEILWEISE SEHR HETEROGENES PUBLIKUM

-> FabLabs sehen sich nicht in erster Linie als Quelle unternehmerischer Entwicklungen. Dennoch kann es nicht schaden, sich im lokalen FabLab zu engagieren und so vielleicht frühzeitig neue Ideen oder Talente zu entdecken.


INNOVATION LABS

Kein Konzern, der etwas auf sich hält, kommt ohne ein Innovation Lab aus. Mancher Konzern wie die Deutsche Bahn oder die Deutsche Bank haben gleich mehrere. Innovation Labs sollen in einem vom Konzern getrennten Raum – idealerweise in einer hippen Gründerregion wie Berlin, Tel Aviv oder im Silicon Valley – kreative digitale Lösungen ersinnen, die den Konzern fit für die Zukunft machen. Einrichtung und Etikette sind der Gründerkultur entlehnt. Mitarbeiter sind teilweise von Start-ups abgeworben worden, teilweise dem Konzern „entliehen“. Innovation Labs gibt es auch als Zusammenschluss von verschiedenen Unternehmen oder wurden durch wissenschaftliche Einrichtungen initiiert. Beispiele: InnovationLab, d.lab.

+ ABSEITS KLASSISCHER KONZERNHIERARCHIEN UND DES ALLTAGSGESCHÄFTS KÖNNEN NEUE IDEEN ENTSTEHEN.

- DIE „QUERDENKER“ SIND ANGESTELLTE, DIE GRÜNDERTUM SIMULIEREN. SIE MÜSSEN EINE ERWARTUNGSHALTUNG DES KONZERNS ERFÜLLEN.

-> Wie erfolgreich Innovation Labs wirklich sind, müssen die allermeisten Neugründungen erst noch zeigen. Ungewiss ist auch noch, ob der Innovationsfunke auf den Konzern überspringt oder in der Nische bleibt.