Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: Acqui-hire
Wer zwischen Start-up- Unternehmer und Digital- Consultant gerät, hat mit einigen Buzzwords zu kämpfen. Um gewandt mitzureden, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.

WER REDET DARÜBER?

Tech-Konzerne und Tech-Startups. Insbesondere Tech-Start-up- Gründer, bei denen es wirtschaftlich nicht so läuft wie erwartet.

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN?

Acqui-hire setzt sich aus den beiden Begriffen Acquisition und Hire zusammen: die Einstellung neuer Mitarbeiter per Unternehmenskauf. Der Käufer eines Start-ups, das meist weniger als 5 Millionen US-Dollar an Kapital eingesammelt hat, ist dabei weniger an einer neuen Technologie oder einem neuen Geschäftsmodell interessiert, sondern an ausgesuchten Gründern oder einem Team meist aus Ingenieuren oder Programmierern. In der Regel werden Unternehmen gekauft, die schon seit mehr als einem Jahr keine Finanzierung mehr erhalten haben und deren Anschlussfinanzierung recht ungewiss wäre. Die Übernahme ermöglicht eine gesichtswahrende Abwicklung des Unternehmens, meist auch seiner Angebote und Leistungen, während wertvolle Mitarbeiter vertraglich an den Käufer gebunden werden. Die anderen Altgesellschafter, meist Venture Capitalists, sind allerdings häufig weniger zufrieden, weil der Großteil des Kaufpreises per Bonuszahlung an die geschätzten Mitarbeiter fließt. Yahoo, aber auch Facebook, Twitter und Google haben in den vergangenen Jahren etliche Acqui-hires durchgeführt.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ?

Die Datenlage, wie erfolgreich – aus Sicht des Käufers – Acquihires wirklich sind, ist sehr dünn. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass per Acqui-hire nur kurzfristig gute Köpfe gebunden werden können: Zum einen haben die übernommenen Talente eine signifikante Antrittsprämie erhalten, die sie finanziell unabhängiger macht. Zum anderen kommen sie aus einer kleinen Start-up-Umgebung und sollen nun ebenso gut in einem Konzern-Ökosystem arbeiten; doch das will und kann nicht jeder. Schließlich spricht wenig dagegen, dass das alte Team mit denselben Gründern nach Ende der Frist ein neues Unternehmen gründet. Die besten Erfolgschancen dürften Käufer haben, die ebenfalls eine Start-up-ähnliche Unternehmenskultur pflegen und/ oder ein sehr gutes Arbeitgeber- Image haben. Aber ob die unbedingt auf Acqui-hires angewiesen sind, um frische Talente ins Haus zu holen?

WAS KOMMT DANACH?

Acqui-hiring scheint inzwischen wieder an Bedeutung zu verlieren. Unternehmen gehen einfach direkt zu den Start-ups und werben dort Mitarbeiter ab. Besonders gute Chancen dürften sie damit bei Unternehmen haben, die es noch nicht in die Profitzone geschafft haben – deren Mitarbeiter erhalten keine Gewinnausschüttungen und bangen, ob dem Arbeitgeber nicht das Geld ausgeht. Der „Käufer“ spart sich so auch Verhandlungen bzw. eine Kaufpreiskomponente für die bisherigen Start-up-Investoren, beispielsweise Seed-Kapitalgeber.


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALL TALK DAZU?

"Klar ist Acqui-hiring sinnvoll. Zufällig habe ich ein paar spannende Beteiligungen, deren Mitarbeiter Sie unbedingt kaufen sollten. Die sind spitze!“

"Es gibt viel mehr Acqui-hire- Deals als man denkt: Die allerwenigsten M&A-Deals schaffen doch wirklich Mehrwert. Und wenn man als Käufer feststellt, dass die zugekaufte Technologie leider inzwischen überholt ist und die Marke als Konzerntochter nicht mehr hinhaut, dann kann man immer noch behaupten, man hätte es ja auf die Talente abgesehen.“

"Yahoo war doch der Vorreiter beim Acqui-hiring – und was die in den vergangenen Jahren angepackt haben, wurde ja immer zu Gold. Oder?“

"Aqui-hire? Das ist doch auch so ein Portmanteau- Wort wie Grexit, Brunch oder Teuro. Bei diesen Portmanteaus ist noch nie was Gutes bei herausgekommen.“