Mission: Losgrösse (Teil 1)

Aufgaben auf dem Weg zur individuellen Fertigung
Selbst mit einer Industrie-4.0- Fertigung ist es noch längst nicht getan, um Losgröße-1-fähig zu werden. Denn individualisierungsfähige Produkte müssen nicht nur ganz neu gedacht werden, sondern erfordern hohe Komplexität in der Supply-Chain.
TEXT: Boris Karkowski & Eva Rossner

INDIVIDUALISIERUNG HAT IHREN PREIS – und wird daher bislang nur von Edelmanufakturen und Luxusschmieden angeboten. Das gilt für den Konsumbereich ebenso wie für das B2B-Geschäft: Digitalisierung und technische Innovationen wie der 3-D-Druck könnten die Kosten von Losgröße 1 massiv senken – und bieten damit großes Kundenpotential. Doch so einfach ist der Weg zur Losgröße 1 nicht, denn viele Aufgaben müssen gelöst werden, vor allem:


1. FRONTEND

Ein Webshop ist für viele Unternehmen auch im B2B-Bereich längst Usus – allerdings überwiegend für Commodities. Um teure Beratungs- und Verkäuferkosten einzusparen, müsste der Webshop zumindest eine Individualisierung zulassen. Noch besser: Er hat die Fähigkeit, Kundenanforderungen wie CAD-Zeichnungen automatisiert zu verarbeiten.

  • Gibt es einen Webshop?
  • Kann der Kunde seine Wünsche individualisieren (z.B. durch Auswahl und Kombination von Produkteigenschaften)?
  • Kann der Kunde seine Anforderungen direkt digital ins System einspeisen? Wie werden unterschiedliche Datenformate weiter verarbeitet? Wie verhindere ich unbefugten Zugang zu meinem System?
  • Ist das Frontend digital mit der Produktion verbunden, oder gibt es ein digitales Gap, weil Frontend und Produktion nicht miteinander kommunizieren können?

2. MASCHINENPARK

Maschinen sind längst computergesteuert – aber können bislang nur selten miteinander bzw. dem Werkstück kommunizieren. Um individuelle Produkte zu fertigen, muss jede Maschine genau wissen, in welchem Zustand welches Produkt „angeliefert“ wird und welche Fertigungsschritte nun verarbeitet werden müssen.

  • Wie können Maschinen unterschiedlicher Hersteller und Herstellungsjahre miteinander kommunizieren?
  • Wie können Werkstücke in der Produktion mit den Maschinen kommunizieren?
  • Welche Qualifikationen benötigen die Mitarbeiter in der Produktion künftig?
  • Wie gewährleiste ich die Sicherheit meiner digitalen Produktionsanlagen?
  • Wie minimiere ich Rüstzeiten?

3. ZULIEFERUNG

Die Lagerhaltung ist längst digital mit dem Auftragseingang und den Zulieferern verbunden: Vorprodukte werden automatisiert bestellt, wenn bestimmte Pegelstände erreicht sind. Durch Losgröße 1 wird diese Aufgabe deutlich komplexer: Sollen die Lagerkosten nicht explodieren, ist eine nahtlose Integration der Supply-Chain inner- und außerhalb der Unternehmensgrenzen notwendig.

  • Wie können Zulieferer automatisiert Informationen schon beim Bestellvorgang erhalten, so dass bereits bei der Konfiguration mögliche Engpässe geklärt sind?
  • Wo liegt mein Equilibrium zwischen Liefergeschwindigkeit/-zuverlässigkeit bei Losgröße 1 einerseits und geringen Lagerkosten (und damit Produktkosten) andererseits?
  • Können meine Maschinen schon mit dem Lager/den Zulieferern so kommunizieren, dass eine automatische Just-in-Sequence-Anlieferung möglich ist?

Welche Lösungsansätze Unternehmen in Deutschland bereits gefunden haben, lesen Sie im folgenden Artikel.