Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: API-Economy
Wer zwischen Start-up-Unternehmer und Digital Consultant gerät, hat mit einigen Buzzwords zu kämpfen. Um gewandt mitzureden, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.

WER REDET DARÜBER?

Wie bei allen Technologien: die Analysten von Gartner, jedes Jahr aufs Neue, sie malen dafür meist eine Kurve, platzieren darauf eine beliebige Auswahl an Schlagworten und nennen das ganze „Hypecycle“. Außerdem US-Integrationsanbieter wie Dell Boomi, der API-Infrastruktur-Anbieter 3Scale und CRM-Experten wie Salesforce. Und natürlich die Abnehmer: Amazon, Facebook, Google, Twitter, Ebay und Uber.

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN?

APIs könnten zu den „ollen Kamellen“ im Digitalfundus zählen, immerhin sind Application-Programming-Interfaces (APIs) nur Schnittstellen für die Programmierung: Die Technologie unterstützt Softwarelösungen bei der automatisierten Kommunikation, Transaktion und der Verhandlung von Daten. Seit es allerdings Cloud-Computing und Mobile Web gibt, kommt das Geschäft mit den Daten ins Rollen – und da kann man mit APIs ziemlich ziemlich was reißen. Der gemeinsame Nenner dabei lautet: Das Rad wird nicht neu erfunden, sondern neu kombiniert. Was an APIs so „disruptive“ ist, ist ihr Drang zur „Öffnung“ von Systemen, also auch von Organisationen und Märkten. Ein Beispiel: Traditionell schotten sich Maschinenbauer ab, grenzen Wettbewerber also von den eigenen Assets aus und binden den Kunden möglichst exklusiv an das eigene Produkt. In der API-Economy sind die strategischen Ziele andere. Ein Maschinenbauer im API-Modus müsste dafür sorgen, dass sich sein Geschäftsmodell modular ausbauen lässt, also möglichst vielfältig mit eigenen und fremden Ressourcen kombiniert werden kann.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ?

API, ein Hype? Völlig ausgeschlossen, API-Economy ist der Inbegriff des digitalen Geschäftsmodells. Aber substantiell ist es auch nicht, dafür müssten es ja alle spüren. Bei der API-Economy sind indes nur die üblichen Verdächtigen unterwegs, also Onlineonly-Unternehmen wie Uber, die mit APIs Milliarden verdienen. Oder Salesforce, ein Anbieter von Cloud-Computing-Lösungen, der nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte seines Umsatzes auf diesem Weg macht. Und Ebay (das gibt es noch?), das angeblich Transaktionen im Gegenwert von 7 Milliarden Dollar über APIs abwickelt. Auf Twitter kommt wohl sogar bis zu zehnmal so viel Nachrichtenverkehr über per APIs angebundene Partnerseiten wie über die Twitter-Website selbst. Und 2017 soll laut Gartner weltweit die Hälfte der Online-Unternehmenszusammenarbeit aller Branchen via APIs laufen.

WAS KOMMT DANACH?

Vielleicht erst mal gar nichts, denn wie es mit Aussagen von Gartner eben so ist: Kann sein, dass plötzlich keiner mehr davon spricht und es kein Hypecycle mehr ist. Kann aber auch sein, dass alle genervt sind von API. API-basierte Dienstleistungen funktionieren im Chor. Was macht der Uber-Kunde, wenn er ein Taxi findet, es ruft, dann aber die Bezahlfunktion nicht funktioniert? Zumal: Wenn es weitere Hackerangriffe wie den auf das US-amerikanische Internet Mitte Oktober gibt, sind API-Systeme ohnehin anstrengend. Ausfälle in dieser Größenordnung entstehen nur dann, wenn alles vernetzt ist, also jedes beliebige Gerät über eine Kommunikationsschnittstelle verfügt, die mit Schadsoftware infiziert zu einem Netzwerk orchestriert werden kann. Betroffen waren vor allem jene Anbieter, die als Pioniere der API-Economy gelten: Paypal, Netflix, Spotify, Twitter.


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALLTALK DAZU?

Erinnert sich noch wer an diese Open-SourceBewegung? Was war das denn bitte für ‘ne sicke Nummer!

API? MfG. Am Wochenende musste ich sogar ein Buch lesen, weil Netflix nicht funktioniert hat. Wenn die nicht aufpassen, lösch ich noch Facebook und schreib wieder Briefe.

Ja, API, das waren noch Zeiten: Unter den Talaren – Muff von 1.000 Jahren! --- Ach, stimmt, das war ja APO, nicht API.

Geld verdienen, indem man anderen Zugang zur eigenen Schnittstelle erlaubt? Ist das nicht eine uralte Geschäftsidee?