Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: Big Fucking Rocket
Wer zwischen Start-up-Unternehmer und Digital Consultant gerät, hat mit einigen Buzzwords zu kämpfen. Um gewandt mitzureden, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.

WER REDET DARÜBER?

Elon Reeve Musk, Unternehmer und Investor; über 1 Million Abonnenten von Musks Instagram- Account, die nach Bekanntmachung der BFR ihre Einschätzungen kundtaten, darunter oskar_ rask mit „Siiick“ und kiikas_sojhe mit „Ohhhh myyyyy“.

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN? 

Elon Musk gab Ende September bekannt, Menschen zum Mars zu bringen – und zwar ab dem Jahr 2024. Das Transportmittel seiner Wahl ist eine von seinem Unternehmen Space X entwickelte Rakete, die Musk als „Big Fucking Rocket“ bezeichnet, Kurzform: BFR. Sie soll 120 Menschen Platz bieten und künftig auch die Internationale Raumstation ISS und den Mond anfliegen. Er wolle so aber auch Reisen zwischen verschiedenen Städten ermöglichen. Die längsten Strecken könnten dann in nur 30 Minuten zurückgelegt werden. Dazu startet die BFR von einer Floß-Station Richtung Orbit, tritt später wieder in die Erdatmosphäre ein und landet sanft auf einem schwimmenden Pad am Zielort.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ? 

Ankündigungen von Elon Musk folgen einer bestimmten Logik: Er skizziert eine Vision, lange bevor er sie auf den Boden gebracht hat. Diese Vision ist ihrer Zeit meist um Jahre voraus, so war es mit der Entwicklung seiner Batterietechnologie, mit der Gehirn-Computer- Schnittstelle von Neuralink oder eben jener verdammt großen Rakete, mit der er Menschen zum Mars bringen will. Den Punkt, den er mit seinen vollmundigen Ankündigungen macht: die heutige Umsetzung ist nicht sein Ziel, er definiert die Parameter für die Wertschöpfung der Zukunft. Musk hat für all seine Ideen ein Ökosystem modelliert, in dem seine Ideen reifen können. Deshalb ist es nicht wichtig, ob er seine ersten Ziele direkt erreicht, wichtig ist, dass sein Ökosystem funktioniert. Das Mars-Projekt als Beispiel: Space X entwickelt eine Rakete, die die Preise der Raumfahrt rapide senkt. Die 100-Meter-Rakete ist wiederverwertbar, so reduziert er die Kosten des Projekts und kann einen Raketenflug zum Preis eines Economy-Tickets einer Fluglinie anbieten. Ein Engpass könnte die Infrastruktur sein: Ein Großflughafen verarbeitet die Landung von rund 30 Langstreckenflugzeugen in einer Stunde. Musk würde für seine Rakete sehr viele Rocket- Pads und Landungsbrücken in Städten bereitstellen müssen. Womöglich will er das aber gar nicht. Würde er nämlich nur eine Handvoll Flüge pro Tag von New York aus anbieten und dafür das Zehnfache eines normalen Tickets abrufen, wäre das ein Finanzierungsmodell, das seine Marsmission trägt. Die Entwicklungskosten seiner BFR bezahlt er dann aus den Einnahmen des Satellitengeschäfts. Bislang sagte er: „Ich denke, wir haben herausgefunden, wie wir das bezahlen können – das ist ziemlich wichtig. […] Ich bin mir sicher, dass wir das mit dem Umsatz von SpaceX alleine schaffen.“

WAS KOMMT DANACH?

Musk twittert eine Idee, lässt dann mehrere Paukenschläge folgen und erntet erst mal kritische Analysen zur Tesla-Aktie, zu verfehlten Produktionszielen oder schlichtweg zum Größenwahn seines Charakters. Das dürfte sich bis auf weiteres nicht ändern, sollte aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, was er treibt. Er hat einige Eisen im Feuer, die letztlich dazu beitragen, dass er sein Ziel erreicht: die Spinne im Netz der Mobilität der Zukunft zu sein. So zum Beispiel auf der Straße in Form von Elektroautos, dort hat er den Daumen auf der Basistechnologie Batterie und entwickelt gerade die erste Serienproduktion. Musk treibt außerdem Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz, unter anderem für autonomes Fahren, alles aus eigener Hand. Er geht auch unter die Erde, immerhin ist er Herr der Tunnel für Hyperloops, bohrt er sie doch mit seinem Unternehmen und entwickelt gleichsam die Technologie für die Hyperloops selbst, außerdem für die Systeme, die darin schwebende Pods von A nach B bringen. Musk konzipiert keine Produkt-Pipelines, er modelliert riesengroße Ökosysteme und positioniert sich schon jetzt als derjenige, der den Zugang zum größten Teil der Wertschöpfung hat.


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALL TALK DAZU?

„BFR? Unseriöser Name. Hätte er mal besser das Internet befragt, dann wäre was Ordentliches bei rausgekommen. Rocky McRocketface zum Beispiel.“

"CATCHY! Namensgebung können die Amerikaner einfach. ICH SAGE NUR: Mother of All Bombs (MOAB), The BGM- 109 ‚Fuck The People Of Flint, Michigan‘- Tomahawk, The W87 ‚What Tax Returns?‘- Nuclear-Warhead. Noch Fragen?"

"Wir bauen mit der Nasa eine Raumstation im Mondorbit. Ist kleiner und halt erst 2030 fertig. Aber hey, wir haben jetzt eine Projektgruppe aufgesetzt, um Standards für die Streckenverbindung zu definieren. Na sdorowje!"

"Bei einer Rakete kommt es doch nicht so sehr auf die Größe an. Sondern eher auf die Technik."