Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: Edge-Computing
Wer zwischen Start-up-Unternehmer und Digital Consultant gerät, hat mit einigen Buzzwords zu kämpfen. Um gewandt mitzureden, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.

WER REDET DARÜBER?

Gartner; große IT-Infrastrukturanbieter; IoT-Produkthersteller; das Automotive Edge Computing Consortium inklusive der beteiligten Unternehmen wie der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson, Toyota, Intel, Nippon Telegraph, NTT Docomo und der japanische Autozulieferer Denso.

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN? 

Edge-Computing, immer wieder auch Fog-Computing genannt, beschreibt eine bestimmte Eigenschaft einer Computing-Infrastruktur. „Edge“ bedeutet übersetzt Kante beziehungsweise Rand. Während Daten beim Cloud-Computing vor Ort gesammelt und dann an den Server weitergeleitet werden, der sie verarbeitet und das Ergebnis wieder zurücksendet, findet die Datenverarbeitung beim Edge-Computing „am Rand“ eines Netzwerks statt. IoT-fähige Geräte übernehmen die Verarbeitung der Daten teilweise selbst und entscheiden, welche Daten lokal verarbeitet und welche an den Cloud-Server geschickt werden.

Übertragen auf den industriellen Kontext (IIoT), bedeutet „Edge“, dass Daten nicht mehr in die Cloud geschoben werden, sondern die Computing-Infrastruktur sehr viel näher an die Datenquellen heranrückt, beispielsweise an IoT-fähige Maschinen oder an Industrial- Control-Systeme.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ? 

Edge-Computing ist kein neues Konzept, also mitnichten ein Hype, sondern Folge unterschiedlicher Technologieentwicklungen, die IoT-Geräte und IoT-Gateways unabhängiger und intelligenter machen. Überall dort, wo Daten möglichst in Echtzeit erfasst und verarbeitet werden müssen, macht eine solche Infrastruktur Sinn. Gerade dann, wenn Industrieunternehmen im Zuge von Machine-Learning gigantische Datenberge anhäufen, bietet eine auf das IoT adaptierte Architektur sogar erhebliches Potential. Sie reduziert die Datenmengen, die durchs Netz geschickt werden; außerdem entfallen Netzwerk-Latenzen, was die Servicequalität insgesamt verbessert. Gleichzeitig sorgt eine solche Infrastruktur für mehr Sicherheit. Daten, die gar nicht erst übertragen werden, kann auch niemand abfangen oder manipulieren.

WAS KOMMT DANACH?

Die Analysten von Gartner prophezeien: „The Edge will eat the the Cloud.“ Und ja, es ist mehr als sinnvoll, Daten dort, wo sie anfallen und wo sie gebraucht werden, zu verarbeiten, allein für die Zukunft der Mobilität. Schätzungen des Automotive Edge Computing Consortiums zufolge steigt das Datenvolumen, das zwischen Fahrzeug und Cloud übertragen wird, bis zum Jahr 2025 auf 10 Exabytes pro Monat – 10.000-mal mehr als heute. Neue Architekturen, die verteilte Ressourcen und Speicherkapazitäten ermöglichen, sind hier unabdingbar. Ähnlich verhält es sich bei der Zukunft der Energieversorgung. Smart Grids erzeugen und verbrauchen Energie dezentral. Was liegt näher, als die nur dezentral notwendigen Daten ebenso zu verarbeiten?

Mit den einzelnen Technologientrends des Gartner Hypecycles verhält es sich allerdings so: Sie kommen und gehen, die wenigsten von ihnen durchlaufen konstant den Weg vom „Peak of Alignment“ bis zum „Plateau of Productivity.“ Zumal die Diskussion, inwiefern dezentrale Datenverarbeitungssysteme das Cloud-Computing ersetzen, wenig zielführend ist. Edge- und Cloud-Computing schließen einander nicht aus. Auch an den Rändern kann die Datenverarbeitung gebündelt werden, die Folge: Abseits des Zentrums entstehen Edge-Clouds, um die Daten des Gesamtnetzes dezentral zu verarbeiten. Langfristig hängt die Relevanz des Edge-Computings auch eher von den Ergebnissen der IoT-Implementierungen ab. Analysten außerhalb von Gartner erwarten, dass der Markt für solche IoT-Infrastruktur-Ansätze voraussichtlich eine Mischung aus verteilten und zentralen Lösungen aufweisen wird.


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALL TALK DAZU?

„Cloud, Fog und Edge: Sind das Protagonisten der neuen Marvel- Verfilmung bei Netflix?“

"Moment, gerade ging es doch noch um Distributed Ledger. Das Gespräch verläuft irgendwie dezentral. Liegt das an meinem Drink?"

"Für uns irrelevant, unser CEO setzt auf Straight Edge."

"Sie kennen den Gartner Hypecycle? EDGY."