Autobauer: zu wenig Kooperations- bereitschaft?

Eine aktuelle Studie gibt Aufschluss über alte und neue Partnerschaften
Neugeschäft aufbauen heißt zunächst, es zu organisieren. Doch wie groß ist die Bereitschaft traditioneller Unternehmen, die eigenen Defizite im Portfolio durch Kooperationen auszugleichen? Eine Studie gibt Aufschluss.
TEXT: Eva Rossner

Automobilunternehmen sollten mehr digitale Services bieten, was sie auch wissen – nur scheuen sie den Weg dorthin, weil sie ungern mit branchenfremden Playern zusammenarbeiten. Stark vereinfacht sind das die Ergebnisse der aktuellen Studie „Neue Geschäftsmodelle der Automobilindustrie“ der Managementberatung Horváth & Partners, die sich auch mit dafür relevanten Kooperationsformen befasst. Die Berater haben 134 serviceorientierte Geschäftsmodelle aus dem Umfeld der Automobilindustrie untersucht. Interviews mit 16 Partnern aus den Bereichen OEM, OES, Tech, und Start-up ergänzen die Analyse.

ABHÄNGIGKEIT ALS RISIKOFAKTOR

So zeigen die Autoren einerseits, dass es gerade für Automobilhersteller (OEM) und ihre Zulieferer (OES) nicht mehr ausreicht, nur technisch ausgereifte Fahrzeuge anzubieten. Die Kunden erwarten neben den entsprechenden Fahreigenschaften vor allem digitale Serviceleistungen rund um das Thema „vernetztes Fahren“. Dieses Bedürfnis erkennen die Automobilhersteller auch, sie sehen sogar eine erhebliche Notwendigkeit, sehr viel stärker auf digitale Services in ihrem Portfolio zu setzen. Dennoch gehen sie die dafür notwendigen Kooperationen nur zögerlich ein und stehen dem Thema misstrauisch gegenüber, so die Ergebnisse. Den Grund vermuten die Autoren in der Furcht der Unternehmen vor einer Abhängigkeit von branchenfremden Wettbewerbern, die im Zuge der Umsetzung neuer Geschäftsfelder entstehen könnte, allen voran von Technologieunternehmen und Start-ups. Mehr als die Hälfte der Befragten bewertet diese Abhängigkeit als Risikofaktor.

EBENSO RISKANT: VERDRÄNGUNGSEFFEKT

Die Studienautoren haben sich die aktuellen Kooperationsmodelle der Autobauer genau angesehen. Im Hinblick auf die Optimierung bzw. Vervollständigung des Leistungsangebots fanden sie heraus, dass in fünf von sechs untersuchten Themenfeldern (Mobilitätsleistungen, Infotainment, Financial Services, Aftersales, Logistic & Delivery, Connected Car & Autonomes Fahren) Kooperationen das bevorzugte Instrument sind. Bei der Entwicklung neuer Datendienste gibt es mit Abstand die wenigsten Kooperationen.

Eine weitere Erkenntnis: Die Berater untersuchten auch die Einstellung der Akteure zur interorganisationalen Zusammenarbeit. Demnach befürworten „neue Akteure“ wie Start-ups und Technologieunternehmen mehr Kooperationen. Dem entgegen stehen die OEM und OES, die vor allem die Gefahr eines möglichen Kompetenzdiebstahls durch den Kooperationspartner hervorheben, wie die Autoren herausfanden.

Allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass es sich um ein fragmentiertes Bild handelt. Die Daten zu Kooperationen in Geschäftsmodellen weisen beispielsweise darauf hin, dass sowohl Start-ups als auch OEM auf Kooperationen setzen. Das Schlusslicht bilden indes Zulieferer, die sich bei der Zusammenarbeit mit branchenfremden Playern am schwersten tun – dicht gefolgt von automobilexternen Akteuren (siehe Grafik, horizontale Achse). Diese Einstellung der OES muss allerdings nicht zwingend auf risikoaverses Verhalten zurückzuführen sein. Womöglich bilden sie hier das Schlusslicht, weil es schlichtweg an den passenden Partnern mangelt, die in teils nischenartigen Hochtechnologiesegmenten seltener vertreten sein dürften als im endkundenorientierten Massenmarkt.

Die Digitale Transformation fordert die Automobilindustrie und verändert sie. Ziel der Studie war es, neue Geschäftsmodelle aufzuzeigen, die die künftige Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen. Weitere Informationen zur Studie finden Sie unter: http://hrvth.com/2ALiyeQ