Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: SANDBOX
Wer zwischen Start-up-Unternehmer und Digital Consultant gerät, hat mit einigen Buzzwords zu kämpfen. Um gewandt mitzureden, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.

WER REDET DARÜBER?

Softwareentwickler, Kryptografen, Fintechs und eine Handvoll Regierungen.

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN? 

Zunächst handelt es sich bei einer Sandbox um ein Programm. Es eröffnet einen abgeschotteten Bereich auf einem Computer – die Sandbox – und erlaubt anderen Programmen, sich dort auszutoben. Potentiell unsichere Aktionen lassen sich so ohne Risiko ausführen, da keine Datei die Sandbox verlässt oder eindringt. Darüber hinaus können in einer Sandbox aber auch bestimmte Verhaltensweisen analysiert werden. Schädliche Softwareprogramme kommen in eine Sandbox, dort wird der Schadcode genauer beobachtet und das Verhalten entschlüsselt.

Mittlerweile dienen Sandboxes aber auch als „sichere“ Testumgebung für neue Technologien und Geschäftsmodelle. Das sind sogenannte regulatorische Sandboxes für Fintechs in Form von künstlichen Marktumgebungen. Sie stehen für eine begrenzte Zeit zur Verfügung, um eine neue Finanztechnologie zu testen. Entscheidend ist hier, welche Geschäfte das junge Finanzunternehmen betreibt und welche Risiken es dabei eingeht – und damit auch seine Kundschaft. Deshalb bestehen Politik und Aufsicht darauf, ähnlich wie etablierte Finanzinstitutionen, dass die jungen Unternehmen zur Sicherung der Finanzstabilität und zum Schutz der Verbraucher reguliert werden.

Allerdings ist es gerade für junge Unternehmen strangulierend, wenn sie neue Produkte am Markt testen wollen, dafür eine Genehmigung der Finanzaufsicht benötigen – an die sie kommen müssen –, bevor überhaupt klar ist, ob die Innovation marktfähig ist. In einer Sandbox können sie die Marktakzeptanz hingegen testen, bevor die kostspielige aufsichtsrechtliche Prüfung erfolgt. Zumal sich Unternehmen bei Entwicklungszyklen von wenigen Monaten nicht darauf verlassen können, dass der Gesetzgeber Jahre später darauf reagiert. Eine Sandbox ist also im weitesten Sinn Wirtschaftsförderung, um Innovationen im Finanzsystem zu ermöglichen.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ? 

Immer mehr Staaten und ihre Finanzzentren verfügen über Sandboxes. Derzeit gibt es Sandboxes in Abu Dhabi, Großbritannien, Hongkong und Singapur. Von einem Hype kann also mitnichten gesprochen werden. Die Frage lautet vielmehr: Schaffen es die Behörden der restlichen Finanzmetropolen rechtzeitig, mit der Innovationsgeschwindigkeit mitzuhalten? Bislang sind es vor allem Unternehmen, die ihre Innovationspipeline geöffnet haben. Die Jahre 2015 und 2016 können hier als Proof-of-Concept-Phase bezeichnet werden: Etablierte Finanzinstitute haben weltweit mit Fintechs und deren neuen Technologien und Anwendungsfällen experimentiert. Das Ziel: neue Technologien kennenlernen. Die meisten kamen nicht einmal bis zur Marktreife, geschweige denn einer realen Durchdringung nahe. Zugegeben, ein Grund, Fintechs einem gewissen Realitäts-Check zu unterziehen – aber auch ein Grund, dass sich die jeweiligen Behörden dem Thema nähern. Bislang gehen Finanzinstitute in die Praxis, die zugehörigen Behörden nicht. In letzter Konsequenz kann das die Innovationsfähigkeit eines ganzen Standorts schwächen: Die Institute haben etwas gelernt, die Behörden nicht, und die Start-ups haben von all dem nicht profitiert.

WAS KOMMT DANACH?

Bislang zählt Deutschland noch immer zu denjenigen Staaten, die sich zaghaft öffnen. Noch immer gelten hier gleiche Regeln für alle, Start-ups im Finanzsektor genießen keinen regulatorischen Welpenschutz. Auf den Punkt gebracht: Kann man machen, ist aber nicht unbedingt klug. Denn Regulierung ist für Start-ups ein Standortfaktor. Zum einen entstehen ihre Innovationen durch Ausprobieren. Eine ausufernde Regulierung macht diesen Prozess so teuer wie auch langwierig – und damit nicht selten unmöglich. Zum anderen sind Start-ups auf die entsprechende Finanzierung angewiesen. Deutschland glänzt hier eher durch eine unzureichende Förderung von Wagniskapital. Während Politik und Aufsicht nun um sinnvolle Lösungen ringen, verspielen sie Chancen, die sich beispielsweise im Zuge des Brexits bieten. Immerhin liegt London, einst Finanzplatz und Sandbox schlechthin, in Scherben. Dorthin flossen die meisten Fintech-Investitionen, aktuell suchen Banken und Fintechs neue Standorte. Frankfurt am Main ist einer davon; hier nun eine lebendige Start-up- Szene zu fördern, also nicht nur den entsprechenden Sandkasten, sondern gar einen Brutkasten zu bieten, würde nicht wehtun.


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALL TALK DAZU?

"Alles ausprobieren ohne Konsequenzen fürchten zu müssen? Das funktioniert nie, ob Sie das nun „offene Beziehung“ oder „Sandbox“ nennen."

"Sandbox? Finde ich gut, immerhin der erste strategische Mehrwert, den ITler seit der Serie „Big-Bang-Theory“ liefern."

"Sandboxen, das ist eher was für Leute, denen Promiboxen zu heftig ist."