Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: Gig-Economy
Wer zwischen Start-up- Unternehmer und Digital- Consultant gerät, hat mit einigen Buzzwords zu kämpfen. Um gewandt mitzureden, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.

WER REDET DARÜBER?

Zum einen die Abnehmer, also Freiberufler, die nach Feierabend für Uber Taxi fahren; alle, die ihre Wohnung zimmerweise über Airbnb vermieten; Menschen mit Fahrrad, die Essen ausfahren. Zum anderen die Anbieter, also Plattformbetreiber wie Uber, Airbnb, Onlinelieferdienste wie Deliveroo und Foodora, aber auch zahlreiche kleine Plattformen für die unterschiedlichsten Dienstleistungen. Derzeit entstehen immer mehr B2B-Plattformen, die beispielsweise Experten für künstliche Intelligenz oder Deep Learning vermitteln (siehe Seite 23).

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN? 

Der Begriff „Gig-Economy“ kam im Jahr 2009 in den USA im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise auf. Das Phänomen selbst ist nicht neu: Rezessionen zwingen arbeitslose Professionals immer wieder dazu, kurzzeitige Einkommenslücken zu kompensieren, indem sie freiberuflicher Arbeit nachgehen. Digitale Plattformen wie Uber jedoch tragen zur Formalisierung dieser bislang vorwiegend zyklisch auftretenden Phänomene bei. Der Gig ist dabei stellvertretend, nur meint er nicht den Auftritt eines Musikers, sondern den digital vermittelten Kurzzeit-Job.

Die Gig-Economy wird in den USA immer wieder als eine beginnende Blütezeit des Solo-Freiberuflers gehandelt, in der selbstbestimmte Arbeit und Unternehmertum Freiheit für alle bedeuteten. Dem gegenüber stehen in Deutschland meist zweifelnde bis ablehnende Stimmen, die hinter der Gig- Economy vor allem Scheinselbständigkeit, Zeitarbeit, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und eine unverhältnismäßige Aufwertung der „Generation Praktikum“ sehen. Zumal jener US-amerikanisch geprägte Plattformkapitalismus, in dem Softwarefirmen als Vermittler ihre Monopolstellung zur Preisbestimmung nutzen, insgesamt eher zähneknirschend hingenommen wird.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ? 

In den USA arbeiten mittlerweile 40 Prozent der Bevölkerung in irgendeiner Form der Selbständigkeit, wie viele davon über Gigs ihr Geld verdienen, ist unbekannt. Ein Hype ist daher völlig ausgeschlossen. Es gilt als normal, mehreren Tätigkeiten nachzugehen, zudem als sogenannter Contractor zu arbeiten, als Freiberufler also, der Kranken- oder Urlaubsgeld nicht kennt. In San Francisco liegen die Zahlen der Gig-Arbeiter in Gastgewerbe (Airbnb) und Transport (Uber, Lyft) im fünfstelligen Bereich, sie haben sich in jüngster Zeit vervielfacht. Aber auch in Deutschland dürften unter über den 4 Millionen Selbständigen nicht nur Ärzte, Anwälte und erfolgreiche Berater sein.

Bislang wird hierzulande die unkündbare Festanstellung noch als Idealbild betrachtet. Allerdings fehlt die Antwort auf das, was kommt, wenn zu Globalisierung und Digitalisierung mittelfristig auch noch eine neue Form der Automatisierung durch Roboter und selbstlernende Software hinzukommt. Es ist nicht auszuschließen, dass die Gig-Ökonomie künftig zu einem der wichtigsten Arbeitsmärkte wird.

WAS KOMMT DANACH?

Schwer zu sagen. Sichtbar ist nur, dass sich das Wesen der Arbeit verändert, nicht nur im Tech-Epizentrum Silicon Valley. Inwiefern sich die Maxime „Whatever works“ – also die Annahme, dass ein schlecht bezahlter Job bei Uber besser ist als gar keiner – positiv auf das Einkommensverhältnis der breiten Masse niederschlägt, ist unklar. Angenommen, Airbnb wäre kein Nebenverdienst, sondern Einkommensquelle, dann hätte man es mit einem Arbeitgeber zu tun, der sich nicht um die materielle Sicherheit seiner Angestellten kümmert, sondern vor allem um drei Dinge: potentielle Konsumentenbedürfnisse, ineffiziente Informationsmärkte und die Schaffung eines Monopols.


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALL TALK DAZU?

„Plattformkapitalismus“ ist ein besserer Hashtag als „bedingungsloses Grundeinkommen“

"Ich setze ganz auf die Ära der alternativen Fakten. Deshalb spreche ich nicht von fortschreitender Prekarisierung der Arbeiterschaft. Letztendlich sind Arme doch auch nur kurzzeitig in Verlegenheit geratene Tech-Milliardäre, oder?"

"Wussten Sie, dass Fahrer, die im Silicon Valley für Uber arbeiten, für jede Fahrt 30 Prozent Software-Tribut an Uber abdrücken? Naja, ich sage mal: Whatever works"