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KI und Autobauer, Mobilität und Nvidia, fehlende Digital Experts, SAP und CV, IoT ist semirelevant

KARTENDIENSTE

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ MACHT HERE ZUM PLATZHIRSCH

Der Kartendienst Here könnte zum Platzhirsch auf dem Markt für echtzeitnahe Kartendaten werden. Zwei Entwicklungen sind dafür relevant: Neben den einzelnen Autoherstellern greift künftig auch der Kartendienst auf Produkte von Nvidia zurück. So will Here mit Hilfe der neuen Mapworks-Technik von Nvidia die Entwicklung von hochpräzisen echtzeitnahen Karten (Here HD Live Map) beschleunigen. Nvidia wiederum entwickele auf der Basis der Karten eine Lokalisierungstechnik für seine Driveworks-Software. Obwohl Here inzwischen den deutschen Autoherstellern Daimler, BMW und Audi gehört, sollen auch andere Autohersteller die Daten nutzen können. Here würde davon doppelt profitieren: Je mehr Fahrzeuge den kostenpflichtigen Dienst nutzen und mit Daten versorgen, desto aktueller und genauer können die Karten sein. Zudem steigt der Chipkonzern Intel beim deutschen Kartendienst ein. Im Zuge der Beteiligung von Intel wollen die Partner eine Plattform entwickeln, um die für das autonome Fahren benötigten hochauflösenden Karten ohne Verzögerung zu aktualisieren. Das Vorhaben wurde bereits beim Bundeskartellamt angemeldet, die Genehmigung steht noch aus. Die Autokonzerne suchten seit Monaten nach weiteren Partnern für den Kartendienst, um ihren Anteil zu verringern. Erst vergangene Woche hatten zwei chinesische Firmen und Singapurs Staatsfonds GIC angekündigt, zusammen 10 Prozent an Here zu übernehmen. Darüber hinaus konnte der Kartendienst mit dem Einstieg des chinesischen Internetkonzerns Tencent und des Kartendienstleisters Navinfo zwei chinesische Unternehmen binden und so auf dem weltgrößten Automarkt China Fuß fassen.


DIGITALE KÖPFE

TOPTALENTE, ABER ZU WENIGE EXPERTEN

Durchwachsen, so lässt sich die digitale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im weltweiten OECD-Ranking beschreiben. Zumindest kommt die aktuelle Deloitte- Studie „Digitale Wettbewerbsfähigkeit“ zu diesem Ergebnis. Auf der einen Seite verfügt der Standort über ausgesprochen viele Talente. Nicht zuletzt aufgrund der hohen Anzahl an MINT-Studenten und der ausgezeichneten Qualität der Hochschulausbildung befindet sich Deutschland hier in einer Spitzenposition und landet im OECD-Vergleich nur knapp hinter dem Vereinigten Königreich. Wenn es aber darum geht, Digitalisierung auf die Straße zu bringen, fehlt es an Experten. Ihr Anteil an allen Beschäftigten liegt bei 0,7 Prozent – das reicht nur für Platz 20 unter allen teilnehmenden Ländern. Massive Lücken gibt es auch bei Tech-Startups und generell bei Investitionen in Digitalisierung. Im Bereich der Finanzierung durch Venture Capital belegt Deutschland einen der hinteren Plätze. Investments in IKT finden in einem derart geringen Ausmaß statt, dass es hier nur für einen Platz im letzten Viertel reicht, weit hinter den Spitzenreitern Niederlande und Schweiz.


ÖKOSYSTEM MOBILITÄT

Deutsche Autoindustrie setzt auf Nvidia

DAS US-AMERIKANISCHE MIKROELEKTRONIKUNTERNEHMEN NVIDIA HAT GLEICH MEHRERE DEUTSCHE AUTOMOBILUNTERNEHMEN UND -ZULIEFERER FÜR SICH GEWINNEN KÖNNEN. Zum Auftakt der Elektronikmesse CES in Las Vegas kündigte Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang Kooperationen mit den Automobilzulieferern ZF und Bosch an. Zudem werde Audi im Jahr 2020 ein vollautomatisiertes Auto auf der Basis des Nvidia-Prozessors auf den Markt bringen. Der VW-Konzern und Nvidia kooperieren ebenfalls und entwickeln ein auf künstlicher Intelligenz basierendes Cockpit. Nvidia kündigte auf der CES weitere Partnerschaften an, so beispielsweise mit dem japanischen Kartendienst Zenrin. Schon vor einigen Monaten war bekanntgeworden, dass Nvidia mit dem chinesischen IT-Konzern Baidu und dem niederländischen Kartendienst Tomtom kooperiert. Außerdem arbeitet Nvidia mit Google an der Integration des digitalen Assistenten des Internetkonzerns in ein Fernsehgerät.


CORPORATE VENTURE

SAP SETZT BEI IOT AUF START-UPS, BEI KI ABER NICHT

Wann Unternehmen Beteiligungen an Start-ups favorisieren und wann nicht, ist derzeit an der Corporate- Venture-Strategie von SAP zu erkennen. In Sachen Internet der Dinge setzen die Walldorfer auf die Unterstützung junger Unternehmen. Ab Februar sollen im „Data Space“ am Hackeschen Markt in Berlin bis zu zehn Start-ups gleichzeitig an Lösungen für das Internet der Dinge arbeiten. Von anderen ähnlichen Programmen will sich SAP abheben, indem komplementäre Lösungen gesucht würden und die Start-ups zugleich auch direkten Kontakt zu SAP-Kunden bekämen, wie SAP-Managerin Eva Zauke erklärte. Wenn es aber um Lösungen und Geschäftsmodelle für künstliche Intelligenz (KI) geht, sind Beteiligungen ausgeschlossen. Der Softwareriese möchte sein KI-Engagement erheblich ausweiten, wie Vorstandschef Bill McDermott erklärte, dies jedoch aus eigener Kraft stemmen. Derzeit beschäftigten sich rund 100 Entwickler mit der Technologie, künftig sollen es deutlich mehr werden, kündigte der Manager nach Angaben der DPA an. „Wir haben 22.000 brillante Entwickler, die besten der Welt, wir mussten sie nur von der Kette lassen und auf die wichtigsten Themen ansetzen.“


INTERNET OF THINGS

NUR BESTIMMTE BRANCHEN UND GROSSKONZERNE SIND TREIBER

Das Internet der Dinge kommt in Deutschland nur bedingt voran, das wies kürzlich eine Studie anhand der Stellenausschreibungen im IoT-Bereich nach. Die Metajobsuchmaschine Joblift hat dafür alle Stellenanzeigen gezählt, die sich im vergangenen Jahr an IoT-Spezialisten richteten. Gemessen an der Nachfrage nach Fachpersonal scheint IoT demnach auf dem Vormarsch zu sein, denn die Zahl der Jobs in diesem Feld wächst überdurchschnittlich. Allerdings konzentrieren sich die Stellenausschreibungen auf wenige Branchen, zudem spielen nur einzelne Großkonzerne eine Rolle. 39 Prozent aller Stellen im IoT-Bereich wurden in den vergangenen zwölf Monaten in der Industrie ausgeschrieben, 20 Prozent in der IKT. Hinzu kommen weitere 23 Prozent der Anzeigen, die von Unternehmensdienstleistern wie Beratungsfirmen oder Personalvermittlern geschaltet wurden. Diese arbeiten wiederum zum großen Teil ebenfalls mit Kunden aus den beiden aufgeführten Branchen zusammen. Diese Konzentration spiegelt sich auch in der Verteilung der ausschreibenden Unternehmen wider: Der Industriekonzern Robert Bosch führte mit 455 Stellen für IoT-Fachkräfte das Ranking an. Darauf folgen die Telekom-Gruppe mit 155 sowie Daimler mit 63 veröffentlichten Jobs. Das IT-Unternehmen IBM, das vor rund einem Jahr sein weltweites Zentrum für den Geschäftsbereich Watson IoT in München eröffnete, bot dort lediglich 23 Jobs und belegte damit den 13. Rang.