Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: Pivot
Wer zwischen Start-up-Unternehmer und Digital Consultant gerät, hat mit einigen Buzzwords zu kämpfen. Um gewandt mitzureden, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.

WER REDET DARÜBER?

Eric Ries; Start-up-Gründer, bei denen es nicht läuft wie geplant; Konzerne, die sich neu erfinden müssen; Politiker, die ihre Positionen gern wechseln.

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN? 

Populär gemacht hat den Begriff „Pivot“ der Autor Eric Ries, der als Begründer der Lean-Management- Methode gilt. Pivot steht für eine Art strategischen Ausfallschritt: Ein Fuß bleibt stehen, der andere wird aber neu aufgesetzt. Übertragen auf Unternehmen heißt das, dass sie bei ausbleibendem Erfolg beispielsweise nicht die gesamte Strategie über den Haufen werfen müssen, sondern vorhandene Elemente um neue Ansätze bereichern. Als Starbucks mit dem Verkauf von Kaffeebohnen und -maschinen keinen rechten Erfolg hatte, blieb das Unternehmen dem Kundenbedürfnis nach gutem Kaffee treu, bot ihn aber schon fertig zubereitet an. Zu den wichtigsten Pivots zählen:

  • der „Zoom-in-Pivot“, also die Fokussierung auf ein bestimmtes Feature, wenn ein einziges Feature des ursprünglichen Produkts zum Produkt wird;
  • der „Zoom-out-Pivot“, also die Generalisierung des Produkts, um damit weitere Anwendungsfälle abzudecken;
  • der „Customer-Segment- Pivot“, also das gleiche Produkt für eine andere Zielgruppe;
  • der „Customer-Need-Pivot“, wenn die Zielgruppe bleibt, das Produkt aber neu konzipiert wird;
  • der „Business-Architecture- Pivot“, sofern das Geschäftsmodell nicht passt und beispielsweise ein Wechsel von B2B zu B2C vorgenommen wird.

Insgesamt gilt: Pivot lässt sich auf alle strategischen Elemente anwenden. Seit einigen Jahren schon wird fast jeder Strategieoder Meinungswechsel gern als „Pivot“ bezeichnet. Nicht nur in der Wirtschaft, auch längst in der Politik. Klingt ja auch deutlich besser, als von einem Flop zu sprechen.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ? 

Pivotet wird so lange, bis das Geld ausgeht – dieses Motto scheint so mancher Gründer für sich entdeckt zu haben. Sobald klar ist, dass das Geschäftsmodell am Markt keinen Bestand hat, wird es über den Haufen geworfen und ein anderes erdacht. Pivots sind eben nicht linear – sie sollen aber auch nicht willkürlich erscheinen. Die Unterscheidung zwischen „aus Fehlern lernen und besser werden“ und „panisch nach einer Alternative suchen, weil das Bisherige grandios gefloppt ist“ wird dennoch nicht immer ganz sauber vorgenommen. Insofern: letztendlich viel Hype und Missbrauch eines eigentlich vernünftigen (und alles andere als neuen) Konzepts.

WAS KOMMT DANACH?

Wirtschaft verläuft in Zyklen. Sobald zu viele Leute trotz (oder wegen) diverser Pivots zu viel Geld verloren haben, wird wieder die Stunde der Beharrlichkeit schlagen: „Man muss auch mal eine Dürrephase durchstehen – am Ende wird man belohnt!“, wird es dann heißen. Oder es kommt ganz anders, und alle werden Erfolgloses rasch einstampfen und direkt wieder ganz neu von vorn beginnen. Am Ende bleibt es dabei: Irren ist menschlich.


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALL TALK DAZU?

„Pivot? Das ist doch diese Wendehals- Strategie von Losern. Ach so, verstehe, bin da ganz bei Ihnen, ist eine sehr seriöse Managementstrategie. Genau das wollte ich gerade sagen.“

"Pivots habe ich im Laufe meiner Karriere schon vielfach erfolgreich praktiziert. Immer die gleiche Tätigkeit, nur der Arbeitgeber musste sich ändern, sobald er negative Daten hatte. Hier, ich gebe Ihnen mal meine Karte."

"Pivot? Ist das nicht diese Ausfallschritt- Strategie, wenn man deutlich einen über den Durst getrunken hat? Warum hält man sich nicht einfach an irgendwas fest, so wie ich es schon immer getan habe?"

"Man soll seine Strategie verändern, nur weil sich die Datenlage geändert hat? Blödsinn – man muss sich treu bleiben und eben die passenden Fakten berücksichtigen. Fachleute sprechen dabei von „alternativen Fakten“."