Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: Agile
Wer zwischen Start-up-Unternehmer und Digital Consultant gerät, hat mit einigen Buzzwords zu kämpfen. Um gewandt mitzureden, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.

WER REDET DARÜBER?

Berater; die Autoren und Erstunterzeichner des Manifests für agile Softwareentwicklung Kent Beck, Mike Beedle, Arie van Bennekum, Alistair Cockburn, Ward Cunningham, Martin Fowler, James Grenning, Jim Highsmith, Andrew Hunt, Ron Jeffries, Jon Kern, Brian Marick, Robert C. Martin, Steve Mellor, Ken Schwaber, Jeff Sutherland und Dave Thomas.

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN? 

Agile bzw. Agilität ist ein Begriff aus der Softwareentwicklung. Agilität macht (im besten Fall) Entwicklungsprozesse flexibler und schlanker, als das bei den klassischen Vorgehensmodellen der Fall ist. Außerdem sind die Ergebnisse direkt vom Kundenwunsch abgeleitet. Die zentralen Bestandteile agiler Softwareentwicklung sind agile Werte, agile Prinzipen, agile Methoden und agile Prozesse.

Das Fundament bilden die Werte, also Annahmen wie: „Individuen und Interaktionen stehen über Prozessen und Werkzeugen.“ Agile Prinzipien sind Leitsätze für die agile Arbeit, im Manifest (s.o.) festgehalten wurden zwölf, darunter „Selbstorganisation der Teams bei Planung und Umsetzung“. Agile Methoden sind formeller Natur, so beispielsweise Storycards. Das sind Hilfsmittel, um die Anforderungen eines Kunden an ein bestimmtes System besser zu spezifizieren. Agile Prozesse hingegen steuern die Umsetzung und wollen die reine Entwurfsphase meist so weit es geht verkürzen sowie im Entwicklungsprozess so früh wie möglich zu konkreten Ergebnissen gelangen. Diese werden dann in regelmäßigen, kurzen Abständen dem Kunden zur gemeinsamen Abstimmung vorgelegt. Hier eignen sich Vorgehensweisen wie Srum, Kanban oder Crystal, um die Prozesse an den oben beschriebenen Anforderungen auszurichten.

Agiles Vorgehen ist, um es auf die zentralen Attribute zu reduzieren, interdisziplinäre, selbstorganisierte, prozessorientierte, iterative, inkrementelle und in Bezug auf die relevanten Perspektiven systematisch kommunikativ vernetzte Arbeit.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ? 

Aktuell erfreut sich der Ansatz großer Beliebtheit, zu Recht. Doch selbsternannte Design-Thinker und Agile-Coaches verwässern ihn zusehends. So wird Agilität gewissermaßen als Heilmittel für Organisationsprobleme jeglicher Art herangezogen. Demnach können Board-Meetings und ganze Vorstandsetagen agil werden, die Führungskräfte bis zum einzelnen Mitarbeiter ebenfalls, die Produktion ohnehin und die Finanzabteilung allemal. Wer nicht agil ist, kann Komplexität nicht handeln, so das Credo. Das mag durchaus zutreffend sein, allerdings eignet sich nicht jede Organisation dazu, über Nacht agil zu arbeiten. Vor allem dann nicht, wenn die Hilfestellung dergestalt absurd anmutet, wie es bei manchen „Coachings“ der Fall ist. So nutzen sogenannte Agile-Coaches Methoden wie den „Agile Fox“, eine Handbewegung, in der Mittel- und Ringfinger auf den Daumen gelegt werden und die so einen Fuchskopf imitiert. Der Agile-Coach nutzt dies als Zeichen für Konzentration und Ruhe in seinem Workshop. Mit systematischem Arbeiten und der Reduzierung von Komplexität hat das nichts zu tun.

WAS KOMMT DANACH?

Die Einsicht, dass es keine Heilsbringer gibt, weder Agilität noch die zuvor ernannten Propheten, wie die „Great-Man-Theorie“ oder der „Management by Objectives“- Ansatz, um eine Situation der Ungewissheit zu managen. Das führt hoffentlich bald zu einer gewissen Unaufgeregtheit. Und infolgedessen zur Einsicht, dass sich Organisationen verändern müssen – in Bezug darauf, wie Aufgaben konzipiert werden, wie Abläufe geplant und organisiert und wie Erfolge gemessen werden. Ob diese Veränderung nun von einem guten Product-Owner oder einem guten CEO getrieben wird, ist letztlich irrelevant, das Ergebnis muss stimmen.


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALL TALK DAZU?

„Agile ist so erhellend. Bei uns gibt es jetzt keine Einzelbüros mehr, niemand trägt Krawatte. Dabei wusste ich gar nicht, dass Büros und Krawatten unser größtes Problem waren.“

„Kürzlich hat mich mein Teamleiter nach mehr Personal gefragt. ‚Nutz die neue Agile- Methode‘, hab ich ihm gesagt. Hat er geschluckt.“

„Agilität hat was von Fragilität. Nicht? Okay, natürlich, die Scrum-Macht sei mit euch.“

„Hey, ja, das klingt gut, wirklich. Aber habt ihr es mal mit dem guten, alten Managen von Dingen versucht?“