Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: Conversational User-Interface
Wer zwischen Start-up-Unternehmer und Digital Consultant gerät, hat mit einigen Buzzwords zu kämpfen. Um gewandt mitzureden, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.
TEXT: MATTHIAS SCHMIDT-STEIN

WER REDET DARÜBER?

Marketingleute, Programmierer und KI-Spezialisten. Mit ihnen redet die halbe Welt.

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN? 

Als in den neunziger Jahren das Chatten aufkam, warnten viele Eltern ihre Kinder. Sie könnten ja gar nicht wissen, wer sich hinter dem Nutzernamen verstecke – gleichaltrige Freunde oder Kriminelle. Und auch heute muss man sich immer öfter die Frage stellen: Wer ist mein Gegenüber am anderen Ende der Onlineleitung – ein echter Mensch oder eine Maschine, ein immer menschenähnlicher werdender Chatbot? Noch sind viele dieser Roboter leicht von „echten“ Gesprächspartnern zu unterscheiden und werden nur für simple Interaktionen eingesetzt.

Doch ein Trend zeichnet sich ab: Maus und Tastatur werden wohl bald ausgedient haben. Nach der Einführung des ersten Apple-Computers mit grafischer Benutzeroberfläche (Graphical User-Interface, GUI) im Jahr 1984 sind Chatbots heute ein wichtiger Schritt hin zum Conversational User-Interface, kurz CUI. Ziel ist es, mit einem Computer genauso unmittelbar und spontan zu interagieren wie mit einem Menschen. Alexa weist den Weg: Künftig rufen wir den Maschinen unsere Fragen zu, statt sie mühsam einzutippen. Eine solche Bedienung ist nicht nur sehr bequem, sie erleichtert und ermöglicht auch ganz neuen Bevölkerungsgruppen die Bedienung von Computern. Gerade Menschen, die nicht mit dem Konzept von Maus und Tastatur aufgewachsen sind, dürfte der Einstieg in die digitale Welt dank CUIs, Chatbots und Co. leichter fallen.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ? 

Alle großen Internetunternehmen, die sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz beschäftigen, haben Chatbots entwickelt. Sogar auf den Webseiten zahlloser Dienstleister wie Banken, Versicherungen oder Internetprovider finden sich heute Chatbots, die vorgaukeln, sie seien ein Servicemitarbeiter. Auch die Sprachsteuerung via Siri, Echo und Co. setzt sich langsam, aber sicher durch. Sie kann als nächster Schritt in der CUI-Evolution betrachtet werden, da sie die Eingabe der eigenen „Gesprächsanteile“ via Tastatur entbehrlich macht. Noch arbeiten die meisten Computer mit Tastatur und Maus oder mit einem Touchscreen, der letztlich nach derselben technologischen Logik funktioniert. Doch bis die Fräs- und Drehmaschine in der Produktion mit ihrem Bediener eine gepflegte Konversation führt, dürften noch ein paar Jahre vergehen.

WAS KOMMT DANACH?

In den Star-Trek-Filmen, die etwa 200 Jahre in der Zukunft spielen, nutzen Captain Kirk und seine Crew genau solche CUIs, wie sie derzeit entwickelt werden und teilweise schon auf dem Markt sind. Sie sprechen mit dem Computer, wenn sie etwas von ihm wollen. Auch in zahlreichen anderen Science- Fiction-Filmen und -Romanen funktioniert die Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen auf genau diese Art und Weise. Die Wirklichkeit von heute scheint die Sci-Fi-Visionäre von gestern mittlerweile zu überholen: Forscher tüfteln bereits an Mitteln und Wegen, wie sich Computer und Maschinen künftig bedienen lassen könnten. Die Steuerung mit Hilfe von Gehirnströmen ist schon möglich und wird vor allem von körperlich behinderten Menschen genutzt. Solche Brain-Computer-Interfaces könnten das CUI einmal ablösen. Wobei: Der Gedanke an den Chip im Hirn oder die Diode auf der Kopfhaut ist nicht nur Technologiekritikern etwas ungeheuer.


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALL TALK DAZU?

"Schön, mal wieder mit einem Menschen zu reden. Sie bestehen doch aus Fleisch und Blut, oder?"

"Dank Chatbots haben wir den halben Kundendienst rauswerfen können. Wirklich helfen konnten die Mitarbeiter dort ja eh nicht."

"Ich brauche keine Conversational User-Interfaces. Ich sage einfach meinem Sekretariat, was gemacht werden soll."