Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: XaaS
Wer zwischen Start-up-Unternehmer und Digital Consultant gerät, hat mit einigen Buzzwords zu kämpfen. Um gewandt mitzureden, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.
TEXT: MATTHIAS SCHMIDT-STEIN

WER REDET DARÜBER?

Softwareanbieter, Onlinedienstleister und alle anderen, die „etwas mit der Cloud“ machen.

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN? 

Software kauft man heute nicht mehr – man nutzt sie nur noch: „Software as a Service“. Bezahlt wird nach Anzahl der getätigten Klicks. Dasselbe gilt für die Blockchain. Auch sie muss man nicht mehr selbst aufsetzen – die Distributed- Ledger-Technologie gibt es „as a service“. IBM bietet „Data Center as a service“, Swisscom „Compliance as a service“ und Europol spricht von „Crime as a Service“ als Zukunft der organisierten Kriminalität. Zusammengefasst spricht man auch von „Everything as a Service“ beziehungsweise kurz „XaaS“ oder „Eaas“.

Für den Nutzer hat das erst einmal nur Vorteile: Denn im „aaS“-Konzept ist es Aufgabe des Anbieters, sich um Wartung und Administration zu kümmern. Die unternehmenseigene IT-Abteilung kann aufatmen: Sie muss sich nicht mehr um die Updates des Betriebssystems oder der Firewall sorgen. Gerade kleineren Unternehmen dürfte „Everything as a Service“ so eine echte Arbeitserleichterung bieten. Und wer denkt in seiner Euphorie schon an unseriöse Anbieter, die die XaaS-Anbindung als Einfallstor für Datenklau im großen Stil missbrauchen wollen? Eben: keiner.

Auch Unternehmen, die eine für sie möglicherweise relevante neue Technologie erst einmal ausprobieren wollen, ohne gleich große Mengen Geld in den Ausbau ihrer IT-Infrastruktur stecken zu wollen (oder zu können), können dafür die jeweiligen As-a-Service-Anbieter nutzen. Das Gleiche gilt auch für einmalige Belastungsspitzen, die die unternehmenseigene IT in die Knie zwingen könnten, für die deutlich leistungsfähigeren Computer im Rechenzentrum aber kein Problem darstellen.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ? 

Geschäftsmodelle wie „Software as a Service“ (SaaS) und „Infrastructure as a Service“ (IaaS) sind längst etabliert. So gibt es das Microsoft- Office-Paket kaum noch als traditionelles Software-Bundle, das alle zwei oder drei Jahre in einer neuen Version erscheint. Stattdessen kaufen Nutzer jetzt „Office 365“-Pakete. Deren Nutzungslizenzen sind zwar zeitlich begrenzt. Dafür wird die Software während der Vertragslaufzeit aber auch permanent aktualisiert. Auf seiner IaaS-Seite bietet zum Beispiel Amazon Web Services etliche Leistungen an: Großunternehmen und staatliche Institutionen gehören ebenso zu Amazons dankbaren Kunden wie die Internetgiganten von Netflix bis Airbnb. Der Zusatz „as a Service“ wird heute allerdings inflationär benutzt. Zahlreiche Anbieter von Dienstleistungen, die irgendetwas mit dem Internet zu tun haben, schmücken sich mit dem Kürzel „aaS“, weil es modern und prägnant klingt. In Wahrheit dürfte mancher Kunde aber vor allem eines sein: verwirrt.

WAS KOMMT DANACH?

Letztlich ist das Prinzip hinter „XaaS“, wie so mancher Hype in der Digitalszene, nicht wirklich neu. Vermietet werden Rechenkapazität und Speicherplatz schon lange. Die Kombination von schnellen Internetverbindungen und hohen Performanceanforderungen hat dazu geführt, dass die entsprechenden Dienste heute alltäglich geworden sind. Man darf getrost davon ausgehen, dass dies auch noch einige Zeit so bleiben wird. Dass hingegen jedes As-a-Service-Geschäftsmodell auch überlebt, darf bezweifelt werden. Bei Absonderlichkeiten wie „Ransomware as a Service“ ist das allerdings eine gute Nachricht.


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALL TALK DAZU?

"Als ich mein Gründerzeit-Haus in Schwabing vermietet hatte, wurde ich immer als Abzocker angefeindet. Seit ich dort „Wohnraum as a Service“ biete, finden das alle ganz toll."

"Ich mag ja Abo- Modelle. Ob Tageszeitung oder Software, wenn die Beiträge ganz unauffällig vom Konto abgebucht werden, hat man im Alltag immer das gute Gefühl, das Zeug wäre umsonst."

"Unsere Experten sagen immer: Lieber Eins-A-Service im Restaurant statt As-a-Service in der IT."