Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: DIGITAL TWIN
Wer zwischen Start-up-Unternehmer und Digital Consultant gerät, hat mit einigen Buzzwords zu kämpfen. Um gewandt mitzureden, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.
TEXT: MATTHIAS SCHMIDT-STEIN

WER REDET DARÜBER?

Produktionschefs, Supply-Chain- Verantwortliche und Unternehmensstrategen.

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN? 

Alles soll derzeit smart werden: Gebäude werden verkabelt, Sensoren verbaut, Maschinen vernetzt und Daten gesammelt. Doch mit den Nullen und Einsen allein kann der Mensch nur wenig anfangen. Richtig wertvoll werden sie erst, wenn mit ihnen digitale Modelle gefüttert werden und nach und nach ein möglichst genaues virtuelles Abbild der physischen Realität entsteht: ein „digitaler Zwilling“ beziehungsweise „Digital Twin“.

Digitale Zwillinge gibt es bislang vor allem bei komplexen Anlagen wie Produktionsmaschinen, Windrädern oder Flugzeugturbinen. Wer so etwas – als Anwender, Pilot oder Wartungstechniker – bedient, benötigt schnell einen übersichtlichen Einblick in die Daten, um weder Mensch noch Maschine zu gefährden. Das geht besonders einfach, wenn das virtuelle Modell nah an der physischen Realität ist.

Vier Dinge sind laut Experten nötig, damit ein digitaler Zwilling einer Maschine möglich wird: Erstens muss diese mit Sensoren ausgestattet sein, die kontinuierlich Daten sammeln und weiterreichen. Zweitens braucht die Maschine eine Schnittstelle zum Inter- oder Intranet. Drittens ist eine definierte Datenstrukturen nötig, damit die Daten auch sinnvoll genutzt werden müssen. Und viertens muss ein User-Interface vorhanden sein, das die Daten in einem digitalen Modell übersichtlich darstellt.

Ist das geschafft, lässt sich nicht nur der Status quo überwachen. Im Computer können mit den Daten auch Zukunftsszenarien simuliert und durchgespielt werden – ohne dass in der realen Welt irgendetwas mit der Maschine passieren muss.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ? 

Obwohl das Konzept des digitalen Zwillings letztlich nicht viel mehr umfasst als ein besonders genaues Abbild der Realität, dürfte der Hype darum gerade erst losgehen. Das liegt zum einen daran, dass das (I)IoT immer noch in der Entstehung begriffen ist. Zum anderen lässt sich das Konzept nicht nur auf Maschinen, sondern zunehmend auch auf andere Prozesse im Unternehmen anwenden: So können mit Hilfe digitaler Zwillinge auch extrem komplexe Lieferketten überwacht und bei Bedarf beeinflusst werden. In der Smart City lassen sich Verkehrsflüsse regeln und damit Staus sowie verkehrliche Gefahrensituationen vermeiden – bis hinunter auf die Ebene des einzelnen Autos. Und selbst in der Gesundheitsversorgung der Zukunft könnte statt des Patienten selbst sein digitaler Zwilling auf dem Krankenhausserver untersucht und überwacht werden – während Ersterer gemütlich zu Hause sitzt oder seiner Arbeit nachgeht.

WAS KOMMT DANACH?

Grundsätzlich bietet das Digital- Twin-Konzept für Unternehmen wie auch für staatliche Institutionen große Chancen. Es verspricht nicht nur eine verbesserte Gefahrenabwehr dank besserer Überwachung von Maschinen und Prozessen, sondern auch eine vereinfachte Wartung und Steuerung von Kapazitäten. Es könnte, wenn es richtig angewendet wird, zu weniger Verkehrsunfällen und Staus, Produktionsausfällen und Ressourcenverschwendung und sogar zu einer besseren Früherkennung von Krankheiten führen. Allerdings steigt mit jedem Sensor und jedem Datenpunkt die Gefahr, die von Cyberkriminellen und Datendieben ausgeht.


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALL TALK DAZU?

"Ich persönlich warte auf den Zeitpunkt, an dem der Digital Twin mein physisches Abbild überflüssig macht."

"Seitdem ich auf dem Smartphone ein digitales Abbild unserer Supply-Chain habe, schlafe ich ruhiger. Oder gar nicht, wenn irgendetwas schiefläuft – wie es fast jede Nacht der Fall ist."

"Als Einzelkind freue ich mich ja, wenigstens einen virtuellen Zwillingsbruder zu haben."