Editorial

Die gute Nachricht zuerst: Die Politik entdeckt die Digitalisierung. Endlich. Glaubte Bundeskanzlerin Angela Merkel noch vor einigen Jahren, das Internet sei „für uns alle Neuland“, so soll es demnächst eine nationale KI-Strategie geben. Und auch mit anderen Technologien, wie etwa Blockchain, beschäftigt sich die Politik eingehend – und das nicht nur Anfang Dezember auf dem Digitalgipfel in Nürnberg.

Doch natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Judith Gerlach, die neue bayerische Landesministerin für Digitalisierung (immerhin die Erste ihrer Art in Deutschland), ließ sich vor kurzem mit dem Satz zitieren: „Digitalisierung ist jetzt sicher nicht mein Spezialbereich, aber ein absolutes Zukunftsthema.“ Das ist ehrlich, offenbart aber auch Hilflosigkeit. Ob die von der Bundesregierung geplante Agentur für Sprunginnovationen (ein Begriff, um den es in unserem „Buzzword-o-Rama“ geht) Erfolg und Effekt haben wird, muss sich auch erst noch zeigen. Auf kommunaler Ebene geht es ebenfalls nur schleppend voran. Metropolen im Ausland geben viel mehr Gas. Immerhin profitieren vom globalen Boom der Smart Citys auch deutsche Unternehmen. Apropos Konjunktur: Die brummt scheinbar endlos – was wiederum vielerorts die Digitale Transformation zu kurz kommen lässt. Das jedenfalls haben uns prominente Digitalverantwortliche im Rahmen unseres CEDO-Talks erzählt.

Während diese Ausgabe produziert wurde, platzte die Nachricht herein, dass die Cebit am Ende sei. Sie habe – als ausgewiesene Digitalmesse – die Digitale Transformation nicht geschafft und zu lange an Hardwarethemen festgehalten, heißt es in zahlreichen „Nachrufen“. Bevor Sie sich jetzt Sorgen machen: Keine Bange, den „CEDO-Summit“, unseren Kongress zur Digitalen Transformation, wird es auch im kommenden Jahr wieder geben – und zwar im September in Berlin.

Matthias Schmidt-Stein
Leitender Redakteur