Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: KRYPTOKITTIES
Wer zwischen Start-up-Unternehmer und Digital Consultant gerät, hat mit einigen Buzzwords zu kämpfen. Um gewandt mitzureden, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.
TEXT: MATTHIAS SCHMIDT-STEIN

WER REDET DARÜBER?

Tierfreunde, Blockchain-Enthusiasten und einige wenige Investoren.

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN? 

In der öffentlichen Wahrnehmung beschränkt sich der Einsatz der Blockchain noch immer auf Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether. Axiom Zen, das Unternehmen hinter den „Cryptokitties“, möchte das mit Hilfe von gezeichneten Katzen ändern und mit einem spaßigen und niedrigschwelligen Angebot auch Leute erreichen, die mit der Blockchain bislang nichts zu tun hatten. Schließlich gehören Katzen zu den erfolgreichsten Stars im Internet – ein Blick auf Youtube und Co. bestätigt das.

Einfach ausgedrückt, sammeln die „Cryptokitties“-Nutzer virtuelle Katzen. Alle 15 Minuten generiert die auf der Ethereum-Blockchain basierende Engine eine neue „Generation- 0-Katze“, die an den Meistbietenden verkauft wird. Jede Katze hat dabei besondere Eigenschaften, die an die nächsten Generationen vererbt werden können. Denn es ist auch möglich, dass sich zwei Krypto-Katzen miteinander paaren und so eine Katze der „Generation 1“ (und so weiter) zeugen. Weil das virtuelle Sammelspiel auf der Ethereum-Blockchain aufbaut, werden alle Transaktionen in der Kryptowährung Ether bezahlt – und in der Blockchain gespeichert. Der Kaufpreis der Generation-0-Katzen, die nur im ersten Jahr erzeugt werden, sowie eine Transaktionsgebühr gehen dabei an den Betreiber Axiom Zen. Die Nutzer selbst können ihre virtuellen Haustiere verkaufen oder zur Paarung „vermieten“ und so ein paar Ether verdienen.

Vorgestellt wurde das Projekt auf einer Konferenz im Oktober 2017, nur eineinhalb Monate später waren schon Millionen US-Dollar in die virtuellen Katzen investiert. Teilweise wurden für Generation- 0-Katzen mehrere Hunderttausend US-Dollar bezahlt.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ? 

Nutzer des Ethereum-Netzwerkes merkten die Popularität der Cryptokitties im Dezember auch dann, wenn sie selbst nichts mit den virtuellen Katzen am Hut hatten. Denn die explodierende Popularität des Sammelspiels sorgte dafür, dass auch andere Ethe-reum- Transaktionen deutlich verlangsamt wurden, weil die Blockchain durch die Katzen „verstopft“ wurde. Artikel in zahlreichen Zeitschriften und Zeitungen von „Wired“ bis „New York Times“, die versuchten, dem Phänomen auf den Grund zu gehen, verstärkten den Hype noch. Sofort meldeten sich Kritiker zu Wort, die sich darüber beschwerten, dass durch den Cryptokitties-Erfolg ernsthaftere und wichtigere Nutzungsmöglichkeiten der Blockchain erschwert, verlangsamt und verteuert würden. Gleichzeitig häufen sich in den Nutzerforen von Cryptokitties die Beschwerden darüber, dass das Spiel mittlerweile so langsam sei, dass es kaum noch Spaß mache. Ein Publikum scheint es auf jeden Fall zu geben – das zeigen die Zugriffs- und Transaktionsdaten der ersten Wochen. Ob die virtuellen Katzen allerdings für ein größeres Interesse an und mehr Verständnis für die Blockchain-Technologie sorgen, darf bezweifelt werden.

WAS KOMMT DANACH?

China könnte es wieder einmal vormachen: In dem Land, in dem aufgrund der staatlichen Internetsperren der Kauf von Cryptokitties nur über Umwege erlaubt ist, gibt es schon erste Kopien des Sammelspiels, wobei dort teilweise Hunde statt Katzen gesammelt werden. Ähnliches wäre wohl auch für andere Internet-Star-Tiere wie Faultiere oder Einhörner möglich. Auf einer anderen Ebene könnten Spielereien wie die virtuellen Katzen auf Dauer in der Tat dazu führen, dass die Blockchain eben nicht mehr nur mit Kryptowährungen verbunden wird, sondern auch andere Nutzungsmöglichkeiten der Technologie wie Smart Contracts massentauglich und spielerisch erklärt werden. Und wenn es nur zeigt, dass ein beliebtes und belebtes Blockchain-Netzwerk schnell an seine technischen Grenzen gelangt.


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALL TALK DAZU?

"Für mich als Allergiker bleibt leider nur das virtuelle Haustier. Und meine Kinder finden die Tiere ja sooo süß."

"Über 100.000 US-Dollar für eine virtuelle Katze? Dafür bekomme ich ja 11, nein, 9 Bitcoin!"

"Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich einmal zum virtuellen Katzenzuhälter werde."