Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: Digital Detox
Wer zwischen Start-up-Unternehmer und Digital Consultant gerät, hat mit einigen Buzzwords zu kämpfen. Um gewandt mitzureden, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.
TEXT: MATTHIAS SCHMIDT-STEIN

WER REDET DARÜBER?

Überarbeitete Führungskräfte, die dringend einmal eine Pause benötigen. Und vermutlich deren Familienmitglieder – auch wenn die andere Worte dafür benutzen.

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN? 

Eigentlich sind Smartphones, die Cloud und all diese Technologien praktisch. Man kann von überall auf den eigenen Arbeitsplatz zugreifen, Mails aus dem Zug schreiben und vor dem Schlafengehen noch einmal rasch checken, ob die Maschinen in der Produktion noch laufen. Kollegen und Geschäftspartner sind genauso ständig erreichbar wie man selbst, und auch die Konkurrenz schläft nicht. Das Problem: Das mit dem Nicht-Schlafen ist nicht zwangsläufig eine Metapher.

Bei vielen Menschen liegt heute das Handy auf dem Nachttisch. Etliche (und nicht nur Workaholics) erledigen beim Fernsehgucken noch ein paar Mails auf dem Tablet. Laut einer Studie gucken Smartphone-Nutzer fast 100 Mal am Tag auf das Gerät, also alle paar Minuten. Ob und welche gesundheitlichen Folgen die latente Dauerkommunikation hat, ist noch nicht wissenschaftlich geklärt. Gesund ist es aber vermutlich nicht.

Manch eine Führungskraft verschreibt sich aus diesem Grund – und weil die Familie einmal im Vordergrund stehen soll – zur Urlaubszeit ein Digital-Detox-Programm. Zwei Wochen (oder wie lange der Urlaub auch immer dauert) bleiben dann Smartphone, Tablet und Laptop off, weder private noch berufliche Mails werden gecheckt, Facebook, Linkedin und die Techblogs bleiben ungelesen. Bei fortgeschrittenen Detoxern wandelt sich die FOMO (Fear of missing out; auf Deutsch: Angst, etwas zu verpassen) irgendwann zum JOMO (Joy of missing out; auf Deutsch: Genuss, etwas zu verpassen), einem fast Zen-artigen Zustand der Entspannung.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ? 

Das Handy ganz zu Hause zu lassen ist zugegebenermaßen auch nicht die beste Idee. Denn auch urlaubsbedingt müssen manchmal Telefonate geführt werden – und im Unternehmen könnte es zu einem Notfall kommen. Aber es ist sicher sinnvoll, sich (und damit letztlich auch die Kollegen) dazu zu zwingen, den Urlaub als Urlaub zu achten und nur in absoluten Notfällen erreichbar zu sein. Wie das im Einzelnen geregelt wird, ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Es lohnt sich, vor dem Urlaub und dem Detoxen darüber nachzudenken und zu sprechen. Am Ende ist das alles natürlich nur möglich, wenn man die richtigen Mitarbeiter hat. Vertraut man nicht darauf, dass diese in der eigenen Abwesenheit schon das Richtige tun werden, fällt das Abschalten doppelt schwer. Daher ist eine gute und vertrauensvolle Führung absolute Voraussetzung. Aber die gehört ja ohnehin zur Digitalen Transformation wie der Strand zum Meer.

WAS KOMMT DANACH?

Der Alltag. Und vermutlich ein sehr, sehr volles E-Mail-Postfach.


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALL TALK DAZU?

"Unser Urlaub am Mittelmeer war echt schön. Sobald der Film entwickelt ist, kann ich Ihnen die Fotos zeigen."

"Am Wochenende haben mein Mann und ich jeden Abend stundenlang miteinander Gesellschaftsspiele gespielt. Die Kinder waren währenddessen mit Whatsapp beschäftigt."

"Digital Detox? Ist das dieser neue Energy- Drink aus Amerika?"