Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: Smart Dust
Wer unversehens zwischen Start-up-Unternehmer und Digital Consultants gerät, bekommt Buzzwords um die Ohren. Damit Sie gewandt mitreden können, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.
TEXT: MATTHIAS SCHMIDT-STEIN

WER REDET DARÜBER?

Computerkonzerne, Science-Fiction- Autoren und vermutlich Geheimdienste

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN? 

Die ersten Computer vor einigen Jahrzehnten waren noch so groß wie ein Wandschrank. Heute hat fast jeder Mensch in der westlichen Welt ein Smartphone in der Tasche, dessen Inneres millionenfach leistungsfähiger ist – und das bei einem Bruchteil der Größe. Denn Chips und damit Computer werden nicht nur immer schneller, sondern auch immer kleiner.

Und wie geht es weiter? Auftritt „Smart Dust“, also „intelligenter Staub“: So groß wie ein Salzkorn, enthalten diese „mikroelektromechanischen Systeme“ (MEMS) Sensoren, Speicher und andere Bauteile eines Computerchips. So können sie zum Beispiel Daten zu Bewegungen, Luftqualität, Licht und Ähnlichem sammeln, speichern und verarbeiten – oder an einen zentralen Computer (wie auch immer dieser heute oder in Zukunft aussieht) weiterleiten. Energie bekommen die Miniaturrechner in einigen Modellen durch elektromagnetische Strahlungen, die in der modernen Welt ohnehin fast omnipräsent sind. Oder sie haben winzige Solarmodule eingebaut oder verfügen über andere Möglichkeiten, äußere Einflüsse in elektrische Energie umzuwandeln.

Erdacht wurde das Konzept des Smart Dust schon Anfang der 90er Jahre, doch erst heute ist die Technologie so weit, dass eine Marktreife in greifbarer Nähe scheint. Zumindest nahmen die Marktforscher von Gartner den Staub in den vergangenen Jahren wieder in ihren „Hype Cycle“ auf. Aber selbst in der aktuellsten Ausgabe rechnen die Experten mit einer breiten Anwendung nicht in den kommenden zehn Jahren.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ? 

Die Einsatzzwecke von Smart Dust scheinen mannigfaltig: Winzige, überall verteilte Sensoren könnten in Fabriken und in ihrem Umfeld vor geruchslosen Giftstoffen warnen. An Rohren und anderen Bauteilen aufgetragen, könnten intelligente Staubkörner bei Rost und anderen Schäden Alarm schlagen. Container und einzelne Waren könnten eindeutig bestimmt und langfristig auch immer geortet werden. Für Letzteres gibt es sogar ein 15 Jahre altes Vorbild: Denn schon 2003 stellte Hitachi einen 0,4 mal 0,4 Millimeter großen RFID-Chip vor, mit dem zum Beispiel die Echtheit von Dokumenten einfach nachgewiesen werden konnte. Dass sich das Prinzip nicht durchgesetzt hat, könnte darauf hinweisen, dass die Zeit einfach noch nicht reif war. Oder daran liegen, dass die Gefahren von Smart Dust vielleicht auch nicht zu vernachlässigen sind. Denn nicht zuletzt könnten Geheimdienste und Wirtschaftsspione so ganz unauffällig jeden Winkel der Welt (und auch der Konkurrenzfabrik) beobachten. Geheimnisse gäbe es dann nicht mehr.

WAS KOMMT DANACH?

Noch kleinere, noch schnellere Rechner dürften die logische Folge der Entwicklung sein. Wobei irgendwann aufgrund physikalischer Gesetze Schluss sein dürfte – zumindest was die Größe angeht. Die wichtigeren Entwicklungen dürften also zum einen in der Leistungsfähigkeit der Chips liegen, zum anderen in den Kosten der Herstellung. Denn noch sind MEMS oftmals zu teuer, um in großem Stil eingesetzt zu werden. Und ihre wahre Stärke spielen die einzeln dann doch oftmals nur begrenzt nutzbaren Mikrorechner erst aus, wenn sie in Massen auftreten.


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALL TALK DAZU?

"Ich wusste immer schon: Es kommt nicht auf die Größe an, sondern darauf, wie intelligent etwas ist."

"Bei uns im Büro wird immer so gründlich staubgesaugt, da würde ja jeden Tag ein Vermögen an Technik vernichtet werden!"

"Smart Dust – ist das nicht das neue Abgasreinigungssystem von Mercedes?"