Akademische Weiterbildung

Die Digitale Transformation erlernen
Etliche Hochschulen wollen Führungskräfte fit für die Digitale Transformation machen – in Kursen, deren Dauer zwischen vier Tagen und vier Semestern variiert.
TEXT: Matthias Schmidt-Stein

Für die Digitale Transformation brauchen Führungskräfte neue Kompetenzen – fachlicher wie methodischer Art. Das erkennen immer mehr Unternehmen. Zugleich sind sie bereit, für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter Geld in die Hand zu nehmen. Laut einer Studie des VdTÜV und des Branchenverbandes Bitkom aus dem vergangenen Jahr wollen 41 Prozent der befragten Unternehmen die Kosten für die Weiterbildung in Sachen digitaler Kompetenz übernehmen. „Es geht dabei nicht nur um das Kennenlernen neuer Geschäftsmodelle und Technologien“, sagt Christian Jansen. „Auch Themen wie Mitarbeiterführung und die Arbeitskultur verändern sich durch die Digitalisierung fortwährend.“ Jansen leitet als Geschäftsführer die Goethe Business School in Frankfurt am Main, die als Tochtergesellschaft der dortigen Universität verschiedene berufsbegleitende Master of Business Administration (MBA) anbietet – seit zwei Jahren auch im Bereich Digitalisierung.

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Im MBA-Programm „Master of Digital Transformation Management“ werden in jedem Studienjahr maximal 40 Bewerber aufgenommen. Die Hürde ist hoch: Neben einem Bachelor-Abschluss müssen die Bewerber auch mindestens zwei Jahre Arbeitserfahrung vorweisen, ein Motivationsschreiben verfassen und eine Empfehlung des Arbeitgebers mitbringen. Alle 14 Tage jeweils freitagsnachmittags und samstags finden drei Semester lang Seminare und andere Veranstaltungen in Frankfurt statt – zum Teil geleitet von Professoren der Goethe-Universität und anderen Partneruniversitäten, zum anderen Teil geleitet von Praktikern aus der Wirtschaft. Thematisch geht es dabei um die Vermittlung grundlegender Management- und Führungsfähigkeiten vor dem Hintergrund des digitalen Wandels, etwa um Business-Analytics, digitale Strategien, Innovationen und Digital Leadership. „Der methodische Fokus des MBA liegt auf der Interaktion miteinander – zum Beispiel bei Gruppenarbeiten oder Projekten“, sagt Jansen und begründet damit auch die strikte Begrenzung der Teilnehmerzahl.

Auch die Masterarbeit selbst soll nicht nur ein theoretisches Problem erörtern, sondern eine reale Herausforderung aus einem Unternehmen. Absolventen erlangen einen international anerkannten MBA-Titel einer akkreditierten Hochschule. Ob und wie viel der Titel und das Studium letztlich in der freien Wirtschaft wert sind, muss sich allerdings noch zeigen. Erst in diesem Jahr schließen die ersten MBA-Studenten das Programm ab.

EINBLICK IN VIER TAGEN

Ein deutlich schlankeres Ausbildungsprogramm in Sachen Digitalisierung bieten die Digitalberatung RCKT und die European School of Management and Technology (ESMT) Berlin ab Mai dieses Jahres an. An der Berliner Privathochschule, die Anfang des Jahrtausends von 25 deutschen Unternehmen gegründet wurde und ebenfalls MBA-Programme anbietet, soll das fachliche Grundgerüst innerhalb von vier Tagen vermittelt werden. Der Crashkurs richtet sich vor allem an Führungskräfte und andere Mitarbeiter aus dem Mittelstand, die sich einen groben Überblick über Themen wie Kollaboration, Digital Leadership, Customer-Centric-Thinking und den digitalen Wandel ganz allgemein verschaffen wollen. „Dabei geht zum Beispiel um Fragen, wie ich als Manager eine kundenzentrierte Unternehmung entwickle und organisationale Veränderungen vorantreibe.“, erklärt Hannes Gurzki, Programmdirektor Executive Education an der ESMT.

Auch bei den Berliner Wissensvermittlern kommt ein Großteil der Dozenten aus der Praxis. „Wir wollen zwar auch den theoretischen Background zu den Themen geben“, ergänzt Paulina Habben, die auf RCKT-Seite das Projekt leitet. „Im Vordergrund steht aber, die Methoden der Digitalisierung zu erproben und nach den vier Tagen mit einem konkreten, anwendbaren Plan für die Transformation des eigenen Unternehmens herauszugehen.“

Einen veritablen Hochschulabschluss gibt es für die vier Tage naturgemäß nicht. Dafür ist die Fortbildung mit rund 5.000 Euro aber auch deutlich günstiger als das zweijährige MBA-Programm in Frankfurt, das mit einem regulären Preis von 35.000 Euro zu Buche schlägt. Manchmal würden die Gebühren von den Unternehmen, deren Mitarbeiter sich erfolgreich beworben haben, komplett übernommen, sagt Jansen. In vielen Fällen zahlen die Teilnehmer die Gebühr aber ganz oder teilweise selbst. „Das und der Aufwand, eineinhalb Jahre lang etwa zehn Wochenenden im Semester zu uns nach Frankfurt zu kommen, führen natürlich zu einer gewissen Selbstselektion“, sagt der GBS-Chef. „So bewerben sich ohnehin nur die potentiellen und jetzigen Führungskräfte, die für das Thema wirklich brennen.“

MBA-PROGRAMME gibt es in Deutschland an zahlreichen Hochschulen und Business-Schools – auf Digitalisierung spezialisierte Studiengänge sind hingegen (noch) selten. Im deutschsprachigen Raum werden sie zum Beispiel auch noch von der Quadriga Hochschule Berlin sowie – als Gemeinschaftsstudiengang – von der TUM School of Management in München und dem Institut für Wirtschaftsinformation der Universität St. Gallen angeboten.