Buzzword-o-Rama

Mitreden können bei: Human Augmentation
Wer zwischen Start-up-Unternehmer und Digital Consultant gerät, hat mit einigen Buzzwords zu kämpfen. Um gewandt mitzureden, klärt CEDO über die wichtigsten Hypes auf.
TEXT: MATTHIAS SCHMIDT-STEIN

WER REDET DARÜBER?

VR/AR-Enthusiasten, Cyborgs und Science-Fiction-Autoren.

WAS MUSS ICH DARÜBER WISSEN? 

Seitdem vor rund 200.000 Jahren der Mensch in seiner heutigen Form aus der Höhle kam, hat er sich eigentlich kaum verändert. Biologisch gesehen, ist der Homo Sapiens seit Jahrtausenden ein und derselbe. Wir sind – zumindest von der genetischen Veranlagung her – nicht stärker oder schwächer als unsere Vorfahren, können weder besser noch schlechter sehen, hören oder riechen. Das, was die Evolution auf zellulärer Ebene nicht schafft, versucht der Mensch seit jeher mit Hilfe von Technologie zu erreichen: Das Rad dient uns schon seit grauer Vorzeit, Lasten zu transportieren. Brillen und andere Sehhilfen gibt es ebenfalls schon seit Jahrhunderten. Der Computer unterstützt uns mittlerweile schon seit einigen Jahrzehnten beim Rechnen. In Form des Smartphones ist er seit einigen Jahren ein ebenso geliebter wie gehasster Begleiter von Milliarden Menschen.

Mensch und Technologie verschmelzen immer mehr. Technisch ist es kein Problem mehr, VR-Brillen herzustellen, die kaum größer sind als traditionelle Sehhilfen. Sie erlauben es, mehr zu sehen, als es ein Mensch ohne Technologie jemals könnte. Bis erste, für den Außenstehenden unsichtbare Kontaktlinsen, die das ebenfalls können, marktreif sind, dürfte es nicht mehr lange dauern.

Auch mechanische Hilfsmittel werden immer besser. Hydraulisch und/oder elektrisch angetriebene Exoskelette etwa helfen nicht nur in der Logistik, schwere Lasten zu bewegen, die kein Olympionike tragen könnte. Dank ihnen erleben auch körperlich eingeschränkte Menschen eine ganz neue Form der Mobilität. Human Augmentation, also die Anreicherung der menschlichen Physis durch Hightech, hat also nicht nur das Potential, die Wertschöpfung zu erhöhen – sondern auch, für mehr Inklusion und eine bessere Welt zu sorgen.

Vorgestellt wurde das Projekt auf einer Konferenz im Oktober 2017, nur eineinhalb Monate später waren schon Millionen US-Dollar in die virtuellen Katzen investiert. Teilweise wurden für Generation- 0-Katzen mehrere Hunderttausend US-Dollar bezahlt.

NUR HYPE ODER AUCH SUBSTANZ? 

Je nachdem, was man alles zur „Human Augmentation“ dazuzählt, ist das Phänomen steinalt oder brandneu. Denn eigentlich könnte man auch medizintechnische Hilfsmittel wie Brille, Hörrohr und mechanische Prothesen unter dem Begriff subsumieren. Folgt man diesem Begriffsverständnis nicht, hat das Zeitalter der „menschlichen Erweiterung“ spätestens mit der Marktreife von AR- und VR-Brillen begonnen. Diese sind zwar weiterhin alles andere als Normalität, in einigen Nutzungsbereichen haben sie sich aber bereits durchgesetzt.

WAS KOMMT DANACH?

Mensch und Maschine werden mehr und mehr eins. Erste Zeitgenossen lassen sich bereits ohne medizinische Indikation Technologie implantieren, die ihre Sinneswahrnehmungen verbessern soll. Diese Cyborgs sind zwar noch absolute Exoten. Doch könnte immer billigere und kompaktere Technologie für eine weitere Verbreitung sorgen (und zugleich dabei helfen, Berührungsängste abzubauen). Ob das zu mehr Gleichheit unter den Menschen führt, weil es nicht mehr so wichtig ist, wie man als Embryo bei der Gen-Lotterie abschneidet, oder zu mehr Ungleichheit, weil sich der reichere Anwender die bessere Technologie leisten kann, ist unklar. Dasselbe gilt für den übernächsten Schritt: die Kombination von Gentechnik und Technologie. Die ist momentan aber wohl noch ein Fall für die Science-Fiction-Autoren – oder für Mediziner aus China …


UND WAS SAG ICH NUN BEIM SMALL TALK DAZU?

"FIch starre Sie nicht an. Ich lese meine E-Mails."

"Und dann habe ich das Auto, das mich zugeparkt hatte, einfach weggetragen."

"Ich sehe was, was du nicht siehst."